Machiavelli und die Diplomatie

Über die Diplomatie der Geizigen

und die Grenzen der bürgerlichen Anständigkeit in der Politik

Ganz unten im Volk und ganz oben in der Politik brodeln Meinungen und Macht, fallen Entscheidungen, im Dunst menschlicher Gefühle und Instinkte: Ich, Macht, Miteinander, Füreinander.

Am Pokertisch in der Kneipe und am Verhandlungstisch der Ministerien und Regierungen ver-multipliziert sich der Vorgang des inneren Konflikts zwischen Kreatur und Idee, zwischen Ich und Du, treffen Geist (anima) und Animalisches aufeinander, zeigt das Individuum sein wahres Gesicht für den, der hinter die Maske von Lüge und Verstellung zu schauen weiβ. Der Wahrhaftige erscheint naiv, wenn nicht gar dumm.

Niemand in der Öffentlichkeit will heute wissen, dass es zweierlei ist, ob die EU mit der Türkei über Politik an sich spricht, oder sie mit ihr über den Beitritt zur EU verhandelt. Und mit „Öffentlichkeit“ meinen wir schon immer politische Korrektheit, also sich der obsiegenden verbreiteten Meinung zu unterwerfen, als dem „Richtigen“. Es ist aufrichtig, der Türkei gegenüber endlich eine klare Position einzunehmen, auszusprechen, dass ein Beitritt zur EU „unter den gegebenen Umständen“ auf gar keinen Fall in Frage kommt. Denken tut das Jeder. Aber sagen tun es nur die Aufrichtigen.

Damit man nicht einmal dieses öffentlich zeigen muss, nämlich, dass man nicht aufrichtig ist, muss man eine Strategie zur Vernebelung entwickeln, weil man als typischer Politiker ja unbedingt aufrichtig wirken muss, oder wenigstens möchte. Hier besteht die Strategie darin zu sagen: „man kann doch nicht in einer derart kritischen Zeit die Verhandlungen mit der Türkei auf Eis legen“, ohne zu unterscheiden, welche der beiden Möglichkeiten man damit meint. Und schon ist der Aufrichtige im Unrecht. Er steht auch in der Ecke der Widersprüchlichkeit, denn man fragt ihn jetzt, was er denn eigentlich wolle mit seiner Aufrichtigkeit: erst schlieβt er eigenmächtig die Balkanroute und zwingt alle Anderen, sich daran zu adaptieren. Dann aber riskiert er, wieder im Alleingang, dass die Türkei die Schleusen öffnet und die Massen gegen seine Grenzen anrennen macht. Ob er denn Waffen einsetzen wolle, Krieg?

Diplomatie geht eben anders, und Krieg im Geiste: sie sagt “ja“, tut dann aber nichts. Sie zieht hinaus, hält am Gängelband, macht Zusagen an anderer Stelle, solche, die auch nicht zu verachten sind, hält sich möglichst weit entfernt vom Risiko einer ad-hoc Entscheidung des Autokraten, des Erben des Alten Mannes am B. Diplomatie erlaubt sich auch die Widersprüchlichkeit der menschlichen Natur auf höchster Ebene: sie verspricht den Wählern („wir muessen jetzt …), die Flüchtlinge an ihren Ausgangsorten zu halten („Bekämpfung der Fluchtursachen“[1]) und die Auβengrenzen der EU zu schützen („Frontex“), mit mehr Steuergeldern. Dann kommen die Schiffe, die an Küsten patrouillieren sollen, zum Schutz der Auβengrenzen, und sie helfen den Schleppern dabei, die Massen von Flüchtlingen sicherer nach Europa zu bringen: die Schlauchboote der Schlepper aus Libyen werden von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und an die weiter drauβen kreuzenden Schiffe der EU weitergereicht, damit sie sicher nach Lampedusa kommen. Die nächsten 5 Millionen sind nach Nordafrika unterwegs. Und über Obergrenzen soll nicht gesprochen werden, weil das nicht korrekt ist, auch wenn es aufrichtig wäre. Und die, die aus anderen Gründen schweigen, tun es, um wiedergewählt zu werden. Oder, weil dort, wo niemand ist, auch keine Obergrenzen zur Diskussion stehen können. Soweit die Widersprüchlichkeit hierzu. Allenfalls könnte man zum aberen Male daran erinnern, dass die geretteten Flüchtlinge nur mit Hilfe jener Schlepper gerettet werden können, die von der EU dann eingesperrt werden (etwa 12.000 in Deutschland und Ӧsterreich).

Was aber hat der Aufrichtige im Sinn? Hört man ihm zu? Jedenfalls hört man nicht, was er im Sinn hat, nicht von den Medien. Was, wenn er an Geschichte denkt?

Was, wenn er an den Konflikt zwischen Russland und der Türkei denkt, zum Beispiel an die etwa 10 Kriege zwischen den beiden Staaten seit dem Niedergang der Osmanen?

Daran, dass die Europäer ihnen schon damals geholfen haben, auf der Krim, im Jahr 1853? Und dann im Ersten Weltkrieg – wer hat nochmal die Baghdad- Hedschas-Bahn von Istambul über Damaskus bis nach Medina gebaut, finanziert von Franzosen, Engländern und zuletzt den Deutschen – war das nicht Heinrich August Meiβner?

Daran also, dass der Autokrat sie sowieso braucht, die EU?

Eben! Werden die Diplomaten sofort rufen, nein, sie rufen natürlich nicht; sie sagen es ganz leise und mit guter Haltung hinter vorgehaltener Hand: der Autokrat braucht unsere Hilfe, und er will sie auch; nur wollen wir diesmal keinen Krieg mehr, wir nicht, und die Engländer sowieso nicht (jedenfalls nicht dort wegen der Türken und der Flüchtlinge). Wir machen das eben anders, wir machen noch mehr Druck auf die Russen, das nützt ihm doch auch, und er weiβ es. Die Weisheit des alterfahrenen Diplomaten weiβ eben, wo man risikieren kann, feige und schwach zu er-scheinen am Parkett, wenn man dann in der Sache doch obsiegen wird – wird man? Und überdies: die Russen helfen uns und den Türken doch auch trotz ihres trotzigen Aktivismus, oder gerade deswegen: sie helfen, die Terroristen aus Syrien zu vertreiben. Damit wird dort bald wieder Ruhe sein. Warum sollen wir sie dabei stören? Vielleicht verstricken sie sich dort ja in ein neues Afghanistan. Politik, das ist eben das schmutzige Geschäft mit dem, was gerade, in diesem Augen-blick, an Verhandlungsmasse nützt, ohne dass man dafür ein Opfer bringen müsste, das wirklich schmerzt, wie z.B. ein Krieg (nicht ein Stellvertreterkrieg, verstehen Sie, sondern ein richtiger). Humanismus hat da keinen Platz, nur dort, wo er nicht mehr als Geld kostet, und auch das nur in unauffälligen Mengen (fragen Sie die UNO, was damit gemeint ist).

Trotzdem: die Frage, auf die es rausläuft, ist doch nur: kann die Türkei aus der NATO wollen? Dieses Risiko wird selbst der Autokrat nicht wollen. Also wird es bei diesem Seiltanz bleiben zwischen dem Sonnenkönigtum aus der Sicht von innen, und dem gefährlich lebenden Zirkus-künstler aus der Sicht von auβen: die lauten Schüsse seiner Rebellen haben ihn bisher nicht bis zum Absturz erschreckt; aber die ständig weiter platzenden Bomben erhöhen sein Risiko allemal.

Was, wenn der Aufrichtige fragt, woher alle Parteien ihre Waffen bekommen[2]? Was, wenn er ein transnationales Weltwaffenhandelsverbot nach dem Muster des Atomsperrvertrages fordert? Was, wenn er sagt: gebt den Türken mehr Geld dafür, dass sie über 3 Millionen Syrer versorgen – wieviele Milliarden ihrer Währung wollte Deutschland nochmal ausgeben für die halbe Million, die sie zu sich eingeladen hat? Was, wenn er fragt, warum die UNO nur halb so viel Geld für die Versorgung der Flüchtlinge bekommen hat als ihr versprochen wurde? Was, wenn er sagt, dass mehr Geld für Libanon und Jordanien dort mehr Flüchtlinge halten und von der Türkei fernhalten könnte? Was, wenn er fragt, warum die Gemeinschaft der Diplomaten Italien und vor allem Griechenland in ihrem Flüchtlingselend weitgehend allein sitzen lässt, ohne Gemeinschaftsgefühl?

Das kann nicht sein, sagt die friedliche Diplomatie. So einer ist kein Politiker; wir sind die, die ganz leise im Interesse der Geizigen im Wirtschaftskrieg um Wohlstand und Arbeitsplätze wirken, ohne Opfer auf unserer Seite.

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[1] Zum Beispiel in Somalia, wo die von der EU mitfinanzierte Polizei die Jugend auf Verdacht vom Moped schieβt, damit sie im Fall des Überlebens Al Shabaab in die Arme laufen, zu Terroristen gezüchtet werden und die Menschen von dort als Flüchtlinge an die Grenzen der EU treiben.

[2] Flüstern die Damen und Herren Diplomaten da jetzt über den Nimbyismus ihrer Friedenspolitik und die Arbeitsplätze für ihre Wiederwahl? Irgendwer muss ja schlieβlich die Waffen kaufen, die unsere Arbeitsplätze sichern. Immer noch besser, die dort schieβen sich gegenseitig tot, und wir versorgen ihre Flüchtlinge so recht und schlecht, als dass wir uns selber wieder gegenseitig schieβen – es könnte einen ja selber treffen.

Zweimal Affe, zweimal Traum

Über die Rückkehr zur Menschenwürde

 

Der amerikanische Biologe de Waal, Migrant und gebürtiger Europäer, hat zeitgleich mit dem Amtsantritt von Präsident Obama seinen Traum veröffentlicht, von einer besseren Welt, einer, in der das Zeitalter der Empathie anbrechen sollte. Weil auch die Affen einer Sippe aufeinander achten und füreinander da sind – gleich ob aus Opportunismus oder nicht. Sein Wahlspruch lautete:

Höre auf Deinen inneren Affen.

Sein Traum, der ebenso wie Obama’s Antrittsreden breiten Zuspruch auslöste, hat sich innerhalb weniger Jahre in neuen Auseinandersetzungen innerhalb der Nationen und zwischen ihnen verstohlen davongeschlichen, so als wäre er im falschen Theaterstück aufgetreten. Heute ist der Groβteil der Nationen der sogenannten industrialisierten Welt in sich zerstritten, geteilte Nationen. Gleichzeitig – der Widerspruch ist schwer zu ertragen – ist eine neue Welle des Nationalismus ausgebrochen. Die Gebäude der internationalen Verbände verfallen und drohen einzustürzen: die NATO wird verzweifelt mit verbalen Stützen aufrecht gehalten, die UNO verhungert, die EU wird schon totgesagt. Im Stimmengewirr der Interessensvertreter zwecks Anfeuerung der Stellvertreterkriege versteht mittler-weile kaum noch Einer den Anderen, sofern man das überhaupt noch will. Das alles spielt sich unweit vom biblischen Stimmengewirr ab, als der Turm zu Babel gebaut wurde. Die alten Fronten der Geschichte werden aufgetaut nach dem Kalten Krieg; wie tiefgefrorenes Saatgut beginnen sie wieder zu keimen: die vorgeschobenen Religionen, die sich auf Moses berufen; wie vor eintausendfünfhundert Jahren sitzen sie alle drei eifersüchtig auf dem Felsen in Jerusalem, vertreiben einander ab-wechselnd und zerstören die Tempel der Kontrahenten; obwohl sie alle drei das-selbe anzustreben behaupten, nämlich, sich dem Einen Gott günstig darzustellen. Das nachösterliche Gezänk der Mönche in den Strassen von Jerusalem gemahnt an die Krim. So wandert die Erinnerung weiter zum Bosporus, durch den die Sintflut kam. Auch der Alte Riese aus dem Osten lässt wieder antworten, er benötige keine Ratschläge aus dem Okzident, er könne sich schon selber nehmen, was ihn von des-sen Erfindungen interessiert. Die Kinder Adams, von denen der Eine den Anderen erschlug, wahrscheinlich aus Neid, so sagt die Bibel.

A propos Adam, und a propos Affe: da hatte noch ein Anderer einen Traum, eine wahrhaft deutsche Seele von der tatsächlich empathischen Art: nach der Erfahrung beider Weltkriege – in den zweiten hatte er sich auf der Flucht vor der GESTAPO als Feldarzt gerettet – schrieb er:

„Wird der Mensch von der unerbittlichen Herrin, der Macht der Tatsachen, in die Enge getrieben, beginnt er zu träumen.“

und

Die wichtigste Voraussetzung für die Verwirklichung des Traumes Europa ist die Einsicht, dass die Macht nicht notwendig an die Idee der Nation gebunden ist.“[i]

Der Titel der Schrift heiβt: „Adam und der Affe“. Der Autor warnt die Nachwelt vor dem unbedachten Dahinträumen, vor dem Eindösen in den wohlklingenden gezielten Falschmeldungen auf twitter und so weiter, warnt vor der gedankenlosen Verwechslung von „Heimat“ und „Nation“, „Staat“ und „Vaterland“. Und er beschämt uns mit dem Verweis auf unsere sehr alte Geschichte:

„Europa- das ist die Idee der Humanität verbunden mit der Macht. Europa als Idee ist nicht neu.“

Europa, das ist auch das hellenisierte, das christianisierte Rom, Karl der Grosse, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

„ … Europa … zu einem politischen Gebilde zu machen, in dem die Macht nicht mehr mit der Idee der Nation, sondern mit der Idee Europa verbunden wird.“

„Idee“ ist wohl das, was in unserer „post-alles“-Welt zum Reizwort geworden ist. Wir wollen alle Ideologien hinter uns haben. „Idee“ wird zum Gegenpol von „Warmherzigkeit“, von Gefühl und Instinkt. Jetzt zählt also nur noch das Tier, der Affe und sein Gefühl.

Das leitet über in einen Widerspruch:

Greed is out, empathy is in“ – „Gier ist out, Empathie ist in, sagt der Andere.

Dieser Andere, obschon Biologe, scheint restlos eingedöst: er träumt vom Frieden durch den Affen in uns. Der aber sagt, stets wacher als unsere Ich-Bewusstheit, und immer schneller als unser bewusstes Denken: erst komme Ich, dann kommst Du, wenn es mir nützt, und, wenn’s bloβ nicht weh tut. Vermeidung von Mangel und Schmerz, Erlösung vom inneren Drang jeglicher Art, das bewegt Jeden, denn Jeder hat mal einen unaufmerksamen Augenblick, in dem er sich mit dem Finger in der Nase ertappt, wo man das doch partout nicht wollte.

Die Werbefachleute haben das vor spätestens einem halben Jahrhundert zu professionalisieren begonnen, sie brauchen ja auch nur in die Ich-Form zu übersetzen: „Ich bin doch nicht blöd, ich nehm‘ mir einfach“.

Und dann ist da jener alarmierende Widerspruch: je mehr Wir-Gefühl nach innen, desto mehr Fremdenhass nach auβen. Aus der Traum von der weltweiten Empathie.

Hör‘ auf Deinen inneren Affen? Eh? Wahrscheinlich gut gemeint, aber sicher an der falschen Stelle, und auf jeden Fall falscher Alarm:

Gefühllosigkeit kann es schon aus biologischen Gründen nicht geben. Gefühl ist eine unkontrollierbare Hirnfunktion, Gefühl, das ist Teil von uns. Gefühle sind unbewusst verarbeitete Reaktionen auf Eindrücke und Gedanken. Auch Teilnahmslosigkeit basiert auf einem Gefühl. Gefühle haben eine Funktion, Überlebensstrategie aus Lebenserfahrung, eigener und jener der Vorfahren. Gefühle haben Kehrseiten, in die sie sich wenden können.

Empathie ist ein Gefühl. Eine der Kehrseiten der Empathie ist Rachejustiz, ist Hass im allgemeinen. Nicht das Gefühl können wir kontrollieren, sondern seinen unbedachten Ausbruch. Und das ist manchmal ratsam. Denn Gefühl kann täuschen, dort, wo es an Erinnerungen knüpft, die nichts mit der momentanen Wirklichkeit zu tun haben. So kann menschliche Wärme zur Falle werden, soge-nannte Gefühlskälte zur Rettung. Der gesunde Menschenverstand ist ein Erbe, aus der Urzeit unserer Spezies, auch aus jener der Affen, aber auch der Krokodile und Haie. Gefühl ist unauslöschlich eingebaut im Menschenhirn, wenn auch mit der – soweit wir bisher wissen – einzigartigen Option der Weiterverarbeitung.

Empathie, das war zum Beispiel Herbst 2015. Die Kehrseite, das ist Köln, die AfD, UKIP, FPÖ, die Front National, die Visegrad-Staaten, Trump, das ist jetzt.

 

„The age of empathy“[ii] ist bestenfalls ein alarmierter Aufruf eines aus dem albtraumhaften Halbschlaf Aufgeschreckten, einem Halbschlaf, der ihn an die Gefährlichkeit seines naiven Volltraums von einer besseren Welt warnen sollte: es gibt schon keine nettere Gesellschaft innen, ganz zu schweigen von einer Weltgesellschaft auβen: Amerika selbst zeigt das am deutlichsten: Obama hat den Traum für kurze Zeit zum Massenphänomen gemacht; jetzt ist Amerika eine geteilte Nation. So wie die Briten, so wie Polen. So wie Frankreich. So wie Italien. So wie Deutschland. Und wie Spanien. So wie Österreich. So wie die Heimat des Autors, die Niederlande. Die Widersprüchlichkeit ist wieder blank: der Traum möchte und will doch nicht gelebt werden. Gerade der Affe in uns erzeugt diesen Widerspruch, gerade der Affe erzeugt den Fremdenhass, auch wenn er nach innen empathisch sein kann – dass ein Biologe das nach der neueren Verhaltensforschung nicht berücksichtigen will. Die nächste spanische Grippe, und der allgemeine Bürgerkrieg, Chaos, ist allgegenwärtig. Zwei Welten stehen gegeneinander, auf dem Sprung: schon was von „social divide“ gehört? Cameron sprach über seine Briten von einer „broken society“. Jede Volkshälfte Europas fühlt sich genarrt und benachteiligt. Wertegemeinschaft? Alle Affen wollen davon etwas abhaben. Einigkeit nach innen, das war einmal, damals, als es noch keinen Wohlstand gab.

Dieser Widerspruch hat auch den Islam zerrüttet: mittelalterliche Sozialstruktur und Verweigerung dem Westen gegenüber, Tod diesem Feind, und doch Verwendung aller moderner Technologie aus dem Westen, Jeder will ihn, auch Osama Bin Laden; ein anderer Teil der Bevölkerung übersiedelt überhaupt in diesen Westen, will ihn aber dazu zwingen, sich nach den Lebensgewohnheiten des Islam zu richten, will im Westen den Islam mit seinen Werten importieren.

Ist schon alles zu spät? Hört niemand mehr auf irgend etwas, merkt hier keiner, was geschieht? Die Brandstifter sind schon im Haus unterwegs, aber der Biedermann macht noch immer auf harmlosen Alltag?

Nur noch Affe, oder was? Nur noch Affe mit Kopf im Sand bestenfalls.

Wahr ist freilich, dass wir das auch können, könnten, das mit der Empathie. Übrigens, das erinnert an noch etwas aus der Geschichte: das Zeitalter im 18.Jh. hieβ „Aufklärung“. Es war um Toleranz gegangen. Die Politik hat darüber mit den Philosophen korrespondiert, sogar selbst darüber geschrieben, aber meist missbräuchlich, wie fast immer. Sie hat bisher nicht wirklich stattgefunden, die Aufklärung, nur am Papier. Warum? Dabei handelt es sich um die Herausforderung – eine Antwort fordern nützt nichts, das kann heute Jeder mit ansehen: was nützt es, Politiker mit zunehmender Frequenz abzusetzen, weil sie nicht verwirklichen, was wir gerne möchten, aber gleichzeitig selbst verhindern, weil der Affe in uns dagegen ist? Das wurde schon in der Französischen Revolution vorgelebt: sie haben es nicht einmal geschafft, ihre Könige endgültig abzuschaffen, nur ihre führenden Geister verstummten zusehends. Die Oberpolitiker unter den Spät-Oberaufklärern haben dann die Perfektion der Stille erwirkt. In Europa war – zumindest die Erinnerung an – Wohlstand letztlich ein Hindernis von Anbeginn, aber im Osten konnte dieses rote Feuer eine Weile in den Steppen des Sibiriens breitflächig wüten, bis ihm in den Dünsten der Tundra der eigenen Geschichte der Sauerstoff ausging.

Toleranz üben kann nicht ein Staat, nicht eine Nation, das kann nur jeder Einzelne; das braucht Übung, verlangt Opfer.

Und weil wir Europäer ja Alle auf einer Basis stehen, die gar so christlich ist: eine Backe ist nicht die Kultur, nicht das Leben. Diese Basis verlangt nämlich nicht „keine Verteidigung“. Sie erlaubt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Darin steht Selbstverteidigung. Gegen Übergriffe.

Toleranz dürfte also durchaus heiβen: hier ist eine Grenze, bis hierher und nicht weiter. „Opfer“ wäre in diesem Fall wirkliche Entwicklungshilfe unter fairen Handelsbedingungen, Schluss mit ungezähmtem Kapitalismus samt schamloser Ausbeutung. Schluss mit unwürdigen Menschenrechten. Rückkehr zur Menschenwürde.

Γνῶθι σεαυτόν – Erkenne dich selbst – Wisse dich

Es stand im Tempel von Luxor und wurde von griechischen Philosophen übernommen und im Apollon Tempel in Delphi angebracht. Auch diese Idee also ist nicht neu.

Nur wer um unsere tierische Herkunft weiss, kann sie auch erfolgreich zähmen. Die Einflüsterungen des Affen kennen zu wollen, bedeutet nicht, sie zu befolgen.

 

Schon Adam vermochte unser tierisches Erbe zu erkennen, an deren Wesen und dem Spiegelbild seiner selbst. Die Wissenschaft hat es bestätigen können. Die christliche Lehre nennt es die Erbsünde, eingedenk unserer Fähigkeit zum Missbrauch von Lust, von Gefühl.

Empathie gibt es nur in der Sippe, nach aussen nur noch Toleranz. Das eine wirkt automatisch, denn Empathie ist eine Sympathie. Das andere ist nicht selten mühsam -Fairness erfordert Denkkraft und guten Willen.

Nicht der Affe in uns rettet die Welt. Nur wir selbst vermögen das, gewahr unseres Gewahrseins. Und dies nur, wenn wir wollen, wirklich wollen. Wollen ist Wille, Wille ist ein Bewusstseinsakt, einer, den eben keine Tiere können.

Vive la petite difference – es lebe der kleine Unterschied.

Ohne den werden wir nicht überleben – wenn überhaupt.

 

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[i] P. Bamm Gesammelte Werke, Bd.2, Adam und der Affe, Knaur Verlag 1976, S.260.

[ii] F. De Waals, The age of empathy. Nature’s lessons for a kinder society. Three Rivers Press 2009.

Brexit, EU und Weltfrieden

 

24.06.2016

Es ist passiert.

Schuld sind vor allem die Politiker der EU: Sie sind dem verzweifelten Vorstoß von Cameron nachgerade mit Häme begegnet: selbstverständlich wäre die Zusage von Reformen gegenüber den Briten der sicherste Weg gewesen, Großbritannien in der EU zu halten, eine Reform, die all jene überzeugt hätte, die nun die Misere durch ihre Abwahl hervorgerufen haben. Cameron wusste, dass er politisch nur überleben kann, wenn er den Briten den Erfolg einer glaubwürdigen EU Reform nachhause hätte bringen können, Reformen, die nun, nach dem Austritt von Großbritannien, ohnehin anstehen und dringend umgesetzt werden müssen, um die EU insgesamt überlebensfähig zu halten. Damals, im Fahrwasser des Grexit, waren die EU-Politiker zu sehr an ihre überheblich wirkende Vorgehensweise gegenüber Griechenland gewöhnt und behandelten den Briten fast ebenso überheblich. Er musste fast klammheimlich erfolglos von Brüssel nach London abziehen, nachdem er die bedeutungsvollen Verhandler um die Griechenland-Frage schon allzu sehr gestört, ja belästigt hatte.

Die EU, bzw. ihre Repräsentanten, die EU Politiker, verhalten sich auf ihrer Ebene ebenso nationalistisch und egozentrisch wie die Vertreter der einzelnen Nationen der EU nach innen: ein ungesunder EU-Nationalismus, den ohnehin kein EU-Bürger verstand, sondern als arrogante Repressalien der Brüssel-Politiker empfand, gab dieser EU-Politik schon seit Jahren ein kleinbürgerliches Flair. Die EU als Repräsentant des alten Europa, verantwortungsvoll gegenüber der von ihr kolonisierten jetzigen „dritten Welt“, hat es nie gegeben. Die Opportunisten haben die Idealisten längst tot gemacht. Die Opportunisten sind jene, die aus Brüssel holen, was sie brauchen können, und weitgehend schweigend ablehnen, was sie nicht brauchen können oder nicht wollen. Die opportunistischen Hintergedanken der Nettozahler seien hier vorerst einmal beiseite gelassen.

Es ist enttäuschend, dass kein Politiker, weder in Großbritannien noch in einem europäischen Land, noch in USA oder sonstwo, die weltpolitische Bedeutung der britischen Entscheidung hervorgehoben hat und darauf hinwies, wie bedeutsam das Beispiel einer britischen Entscheidung auf unserem Weg zu einem Weltfrieden ist: mehr als alle anderen Völker der so genannten zivilisierten Welt haben die Briten bis weit über den Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts hinaus einen Total-Kolonialismus betrieben (im Jahr 1900 angeblich über 70 % der bevölkerten Welt kontrolliert). Nun, in unseren Zeiten zunehmender Mobilität, vor allem auch auf der Basis der explosionsartig entwickelten Kommunikation, zwingt uns Massenmigration – wenn wir schon nicht früher brauchbare Lösungen für die so genannten Entwicklungsländer umgesetzt haben – nunmehr dazu, endlich unsere Verantwortung wahrzunehmen und alles daranzusetzen, dass diese früheren Kulturen unterschiedlicher Entwicklungsstufen, durch Kolonialismus zu Entwicklungsländern gemacht, mit unserer Unterstützung, Interaktion und notfalls Intervention unserem zivilisatorischen Niveau angeglichen werden. Dies kann nur durch globales Zusammenwirken funktionieren. Aus diesem Grunde ist es überaus bedeutsam, dass Politiker bei jeder Entscheidung auf diese Sichtweise drängen: nur noch „miteinander Wirken“ kann den Weltfrieden ermöglichen; jeder Nationalismus und Regionalismus, jeder Separatismus wirkt diesem entscheidend notwendigen Weg entgegen. Daher wäre es von größter Bedeutung für die britische Politik gewesen, ihre Völker darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Generation diejenige ist, die auf der Weltbühne die Verantwortung tragen sollte und eigentlich muss, beispielhaft diese Integration der vorher unter kolonialer Herrschaft kontrollierten Völker auf unseren zivilisatorischen Stand zu bringen. Nicht zuletzt ist damit auch verabsäumt worden, auf die enormen auch wirtschaftlichen Argumente dieser Richtung zu weisen, also in die Gegenrichtung zur nationalistischen, egozentrischen, ja narzisstischen Richtung der so genannten „Brexit-Bewegung“. In diesem Zusammenhang haben leider auch die Befürworter des Verbleibens in der EU nichts anderes öffentlich betont, als die Interessen von Großbritannien, die eigenen egozentrischen Standpunkte des Landes, keinerlei weltpolitisch-staatsmännische Argumente betreffend unsere Herausforderungen in Richtung Globalisierung.

Zum wirtschaftlichen Argument kann man hier nochmals hervorheben, dass die zivilisatorische Entwicklung der sogenannten Dritten Welt den Weltmarkt essenziell vergrößern, mindestens verdoppeln würde, wahrscheinlich eher der verfünffachen, und dass damit nationale Interessen wesentlich besser abschneiden als mit einem nationalistischen Standpunkt. Ich merke wohl, dass ich hier selbst einen egoistischen Standpunkt vertrete, indem ich die letztendlichen wirtschaftlichen Vorteile einer globalen Politik in den Vordergrund stelle; immerhin wäre dies eine alternative Möglichkeit vor dem plumpen Hinweis gewesen, lediglich nationale Interessen in direktester Form zu vertreten („was uns besser nützt was wir für uns selbst wollen“ et cetera).

 

Europa, die europäischen Länder, Grossbritannien, Niederlande, Spanien, Portugal, Deutschland, Italien, als Kolonialmächte sind die historischen Architekten der derzeitigen weltpolitischen Szene. Europa ist also erstverantwortlich für die Schaffung, wenigstens das Bemühen um, eine friedliche Zukunft.

In unserer Zeit der Globalisierung kann nur ein Miteinander auf allen Ebenen den Frieden garantieren.

Zu glauben, dass Migration und Brexit / Neo-Nationalismus/Rechtsruck voneinander unabhängig seien, ist ein nahezu unfassbarer Irrtum. Dass keiner der Politiker vor oder nach der Entscheidung der Briten diese globalpolitische Bedeutung hervorgehoben hat, ist ebenso erschütternd. Europa als alte Weltmacht hat jetzt, hätte, die Verantwortung – auch wenn das unangenehm sein kann, weil es Opfer fordert, Zurücknahme der eigenen Interessen, die Verantwortung, diese Welt, die von Europa zuerst für seine eigenen Interessen kolonisiert wurde, zusammenzuführen, zu einen, indem es den Entwicklungsländern gezielt, ehrlich und tatsächlich dabei hilft, zivilisatorisch auf unser Niveau zu kommen.

Umso enttäuschender wäre es, wenn sich nun ausgerechnet Grossbritannien, jenes Land, das die Welt beherrschen wollte, nun für die Kolonisierungsmisere die Verantwortung ablehnte und sich egozentrisch und narzisstisch zurückziehen würde. Nun bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Gegner des EU-Austritts politisch so weit durchsetzen, mit geschickter Verzögerung so lange, bis sich die wirtschaftlichen Nachteile deutlich genug gezeigt haben werden, dass ein Pseudo-Brexit resultieren kann. Damit bekäme die EU eine zweite Chance, mehr auf die konstruktiven Vorschläge der Briten zu hören, eine zweite Chance, von allen anderen nationalistischen Tendenzen wegzukommen und einen einigenden Tenor zu finden, den, der allen Ländern Europas eine Chance gewährt, die nähere Zukunft glimpflich zu überstehen.

 

 

 

Man trägt wieder Krawatte

All you need is love – Ende und Wiederbeginn der Krawatte

oder

Man trägt wieder Haltung, man trägt wieder Krawatte

 

Rational verständlich ist das alles natürlich nicht; im Gegenteil: aus der Ferne beobachtet meint man einem Haufen Verrückter zuzusehen. Ein Beispiel:

Katholikentag in Leipzig. Dort, wo kaum Katholiken leben. Die Medien fragen sich: warum dort? Und sie fragen Passanten: eine Frau sagt: find ich gut. Wer weiß, ob nicht auch dort Leute vorbeikommen und sagen, dass ihnen gefällt, was es dort so an Veranstaltungen gibt, und schauen dann wieder einmal in einer Kirche vorbei, stellen fest, dass man dort schöne Musik spielt.

 

Dass die Krawatte in den 50er Jahren auch für Studenten Pflicht gewesen sei, ist falsch: sie wurde nur bei Prüfungen und Promotion getragen. Aber sonst gab es kaum einen Büro- bzw. Geschäftsmann, der nicht Krawatte getragen hätte, so wie die jungen Männer bis 1918 unbedingt Bart tragen mussten, wenn sie als Erwachsene ernst genommen werden wollten.

Im Jahr 2011 war es akzeptiert zu fragen, wann „Krawatte überhaupt noch gesellschaftsfähig“ sei, ob Krawatte im Dienst weiter eine Regel sein solle oder nicht[1]: die klare Antwort war: das geht niemanden etwas an, ob ich eine Krawatte trage oder nicht, ist Ausdruck meiner Persönlichkeit, nicht Befolgung einer Regel. Fazit: der moderne Mensch der westlichen Welt in liberalen demokratischen Gesellschaften lässt sich nichts mehr vorschreiben – sogar das Gesetz, an das er sich hält, hat er selbst bei seinen gewählten Politikern in Auftrag gegeben. Also reagierten die Politiker: immer mehr schlossen sich dem Trend an: man demonstrierte: ich bin selbstverständlich einer von euch, euer Diener, liberal bis geht nicht mehr, jeder kann tun was er will, so lange er die Gesetze beachtet. Politik ist nicht mehr Macht, sie ist Dienst am Kunden.

Dass auch Milliardäre durch „Hemd offen und oben ohne“ demonstrieren, wem die Welt gehört, ist fehlgedeutet, ist nochmal hinters Licht geführt: die Demo von Volksnähe, „ich bin einer von euch“ war eine lächerliche Farce, die nur wenige geglaubt, aber fast alle mitgemacht haben (man muss eben „mit der Zeit gehen“) – zynischer geht es kaum.

Ein Autor, damals, 2011, hatte immerhin den Mut, die Lüge dahinter aufzudecken und zu schreiben: „Nie war es rebellischer, eine Krawatte zu tragen“, und davon sprach, dass es auch Würde gebe, die man damit ausdrücken könne.

Mit der Lässigkeit kam die Nachlässigkeit: bei immer mehr Gelegenheiten wurde Politikern ihr Mangel an Durchblick, Weitblick, Führungsstärke, Staatsmannschaft vorgeworfen.

Nur die Rechtsradikalen kamen mit kurz geschorenen Haaren, strammem Scheitel – und Krawatte.

 

Mit dem Rechtsruck also kommen die Krawatten wieder – vorzüglich blau, mit Hinweis auf Hoffnungsträger also – denn die Politikverdrossenheit hat trotzdem zugenommen. Die Leute wollen gar keine schlampig daherschlurfenden lässigen Typen, die Volksnähe mimen, obwohl sie eine breite Spur von Realitätsferne hinter sich herziehen. Sie wollen Führung, auf die man vertrauen kann. Sie wollen Führer, die etwas darstellen, die Vertrauen einflößen. Die Politiker haben die Abfuhr verstanden; jetzt ziehen sie ihre Krawatten wieder an.

Dabei ist blau nicht neu. Dezember 2009 in der „Bild“: „Obama legte die bis dato allgegenwärtige rote Krawatte beiseite (in USA war das nämlich immer schon anders als in Europa, ganz zu schweigen von Japan oder gar China) und ersetzte sie durch eine blaue! Und die Welt folgt ihm in Sachen Krawatten in beinahe unheimlicher Geschlossenheit.“[2]

Es folgte der irrige Versuch einer „Fotographenlegende und Stilikone“, 2010 zur Trendwende aufzurufen: „zurück an die Krawatte!“[3]. Doch das mit „Krawatte in blau“ hielt nur so lange wie Obama der Heilsbringer war, hoechstens 100 Tage. Dann war es wieder aus mit Krawatte, vor allem aus mit blau!

2014 war die Krawatte wieder einmal „kurz davor, vergessen zu werden“, weil „das wohl unmodischste Kleidungsstück unserer Zeit“  und Relikt aus Zeiten, da sie für männliche Selbstverwirklichung und Spießertum, Symbol männlicher Dominanz gestanden sei.[4]

Dementsprechend hat sich eine Journalistin – vielleicht in unbewusstem Wunschdenken – geirrt, als sie im Dezember 2015 schrieb: „Das Ende der Krawatte. Niedergang eines Machtsymbols.“[5] Der größte Irrtum war der gute Rat der Mode-Experten an die Manager-Gattinnen für Weihnachten 2015, bloß keine Krawatte zu schenken: denn kurz danach brach die zweite Epidemie der blauen Krawatten aus.

Dabei gab es doch 2015 die „Fifty Shades of Grey“ im Kino! Und die hätten eine Trendwende bewirkt, Krawatten seien seither wieder „so was von heiß“[6]. Und sogar James Bond trug in „Spectre“ Krawatte, wenn auch eine zu kurze.[7]

Heute sehen wir an „Krawatte“ oder „keine Krawatte“, ob einer den Rechtsruck zwecks Verhinderung der Rechtsradikalen schon kapiert hat oder nicht.

 

Die Krawatte ist zur Zeit Ludwigs XIV. In Frankreich Mode geworden, als dem König das Halstuch kroatischer Söldner gefiel: so trug man Tücher „a la cravate“, also auf kroatische Art. [8]

Spätestens seit „All you need is love“ der Beatles war das Ablegen der Krawatte zum Symbol der sexuellen Befreiung geworden.

 

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[1] T. Bärnthaler: Krawatte im Büro- ja oder nein?, Süddeutsche Zeitung 36, 2011.

[2] http://www.bild.de/lifestyle/mode-beauty/welchen-schlips-obama-und-andere-stars-tragen-und-welche-sie-verschenken-koennen-10826986.bild.html

[3] F.C. Gundlach, „Eine Bindung fürs Leben“, Zeit Online, 04.02.2010, http://www.zeit.de/2010/06/Gundlachs-Schlipse

[4] http://www.taz.de/!5035739/

[5] Bettina Weiguny, Das Ende der Krawatte. Frankfurter Allgemeine, 22.12.2015

[6] http://www.mentoday.de/news/krawatten-trends-2015/210.html

[7] http://www.nzz.ch/lebensart/stil/traegt-007-seine-krawatte-zu-kurz-ld.4006

[8] http://www.taz.de/!5035739/

 

 

Trump Eleven Nine

Die Grünen Deutschen weisen besorgt darauf hin, dass an diesem deutschen Jahrestag des Mauerfalls ein amerikanischer Präsident gewählt wurde, der neue Mauern bauen wolle.

Der Super-Kapitalist gibt dem Sklavenaufstand gegen den unkontrollierten Kapitalismus und Welthandel eine Stimme und setzt sich selbst an seine Spitze. – Trump wird Präsident der USA. Die Zurückgelassenen, viele am Rande des Wohlstands, oder gar in der Gosse des reichen Westens vegetierend, viele davon arbeitslos, nochmehr bedroht von den technokratischen Visionen einer arbeitsfreien Welt der Industrieroboter, viele Mittelständler, die sich zurückgelassen sehen im zunehmenden „social divide“, sie alle sind damit gesammelt. Die Widerspruechlichkeit menschlichen Verhaltens erreicht einen neuen Höhepunkt. Dass Trump diese Massen so leicht verführen konnte, liegt auf der Hand: ein Sklavenaufstand braucht einen Gladiator, einen Spartakus. Dass die Zeit dafür reif war, dies zu ertasten hat er offensichtlich die Gabe. Er, der andere Sklaven in der Arena tötete, um selbst zu überleben, er, der vielleicht schon ein notorischer Genuss-Killer geworden ist aus unheilbarem Hass auf die zynischen und korrupten Politik-Arrivierten, wird nun Anführer der Sklaven. Sie vergeben ihm seine Morde, vergeben ihm alles, denn er hat ihnen Freiheit versprochen, Freiheit zur Rache.

This is not a victory, this is a movement”: so fasste es Trump selbst zusammen.

Eine Prophetenstimme unter den Auguren hatte die „Bewegung“ erkannt: „den Ausschlag bei der kommenden Wahl könnten Jene geben, die Trump heimlich wählen, obwohl sie dies niemals öffentlich einzugestehen wagten.“ Drei Prozent der Deutschen hätten Trump gewählt, aber die AfD erreichte zweistellige Prozentwerte, heimlich gewählt. Der Effekt der medialen Manipulation ist nun mal das eine, das andere die Folge eigener Erfahrung im eigenen Land.

Niemand soll zu behaupten wagen, es habe sich nicht angekündigt, amerikaweit, europaweit, weltweit: schlagartig gibt es nun Briten im Wind der Gegenwart, die gestern noch herb grinsend riefen „wer wird schon diesen Unsinn stammelnden Affen wählen“, und heute überzeugend formulieren, wie sehr sich in dieser Wahl der Drang des Volkes zu neuen Ufern ausdrücke, wie sich dies schon mit dem Brexit angekündigt habe. In der Tat hat der Brexit die Verwirklichung eines globalen Trends eingeläutet: die Briten aber, Hegemonialmacht bis zum Beginn des 20.Jahrhunderts, hätten die Verantwortung zum Bemühen um globale Zusammenarbeit, und, die dafür notwendigen Opfer in den Vordergrund zu stellen, eine Verantwortung für eine tatsächliche Entwicklung der früheren Kolonien, nicht wieder eine verdeckte Ausbeutung. Stattdessen werden die Briten nationalistisch: wir, die Westmächte, wir, die Herren, die früheren Kolonialherren, haben weiterhin kein Interesse an romantischen Vorstellungen von Verantwortung zur Gemeinsamkeit in der Globalisierung. Globalisierung bedeutet globaler Markt, und den gedenken wir für uns zu nutzen, nur für uns. Da haben auch Fremde keinen Platz, auch keine fremd aussehenden Gesichter, auβer sie ordnen sich unter. Die Herren segelten noch einmal an mit ihren Kanonenbooten, auf den Falklands, 1982, als die Argentinier ihr altes Recht aus 1820 zu behaupten wagten – es war ihnen 1000 Menschenleben wert. Schluss mit gemimter Toleranz, mit vorgetäuschtem Glauben an Multikulturalität, mit vorgeschobenem Verantwortungsbewusstsein für die Entwicklung der ausgelaugten Kolonien, Schluss mit gequälten Zusagen zu Kompromissen im Interesse einer weltweit zusammenwachsenden Staatengemeinschaft. Wirtschaftskrieg? Who knows.

Und dennoch, vergessen wir nicht: Trump altert, Alter lässt an Vermächtnis denken, macht sentimental und nostalgisch, Alter macht milder. Dieser alternde Trump, der Kapitalist, der nun den Eindruck vermittelt, er habe nur mal gegen die Folgen des Kapitalismus poltern und den Verarmten aus dessen Folgen helfen wollen: fast zögernd betritt er die Bühne, leiser, so wie ratlos, sicher überrascht, vom nicht erwarteten Erfolg. Er wollte weiter Spartakus sein, weiter poltern gegen „das Establishment“, das ihn wohl stets als unangenehmen Nebeneffekt des Kapitalismus beiseitegeschoben und damit verletzt hatte. Erstmals sieht er nicht die Begeisterung seiner Anhänger, sondern den Hass in ihren Gesichtern, den Hass, jene Kraft, die ihn nun auf den Schild gehoben hat. Da steht nun ein alternder Trump, mit der Angst der Soldatenkaiser im Herzen. Ein Teil von ihm wollte, sein Schatten könnte nun dort auf der Bühne stehen, und er selbst könnte seine Ruhe haben.

Und noch etwas: da ist eine Anti-Brexit Kraft an ihm: Trump gab ein Signal, das kein Politiker seit 1989 laut und deutlich zu geben wagte: der Westen hat versäumt, als ersten Schritt nach dem Zusammenbruch der UdSSR den Russen die Tür zu öffnen und die Hand zu reichen, in jeglichem nur machbaren Umfang, eingedenk der Tatsache, dass Russland vor 1914 Europa war, dass der Kommunismus eine europäische Ideologie ist, dass die NATO eine fortgesetzte Drohgebaerde war und ist. Wenn Trump dies nun tatsächlich erfolgreich nachholt, wenn er es schafft dafür zu sorgen, dass Russland als Groβmacht anerkannt und damit befriedet wird, rehabilitiert nach der Erniedrigung, die von den USA genossen worden war, dann wird er der Welt einen groβen Dienst erwiesen haben.

Auch eine andere Art von Hass – und Langeweile – kam mit dieser „Bewegung“ an die Oberfläche: viele Verbitterte, Verärgerte, Enttäuschte schlieβen sich Spartakus an, diese kranke Welt zu zerschlagen, frustriert von einer zunehmend brutalisierten Welt, politisch verwaltet von einem Gemisch von professionell Deformierten, engstirnig Verbohrten, kleingeistigen Schreiern und skrupellos Korrupten in kranken Rechtsstaaten. Das Risiko dieses Experiments ist es ihnen wert, mit der Fortsetzung der bekannten zahnlosen Politik profilloser Verwalter als Platzhirsch-Könige ohne Land zu brechen. Auch Gelangweilte schlieβen sich an, die an nichts mehr glauben, wohlhabend bürgerlich kokonisiert, vermeintlich aus sicherer Distanz. Die Gräben in der amerikanischen Gesellschaft sind nicht „während des Wahlkampfes aufgetreten“, wie sich der deutsche Aussenminister heute äuβerte, sondern durch diesen Wahlkampf öffentlich geworden – vorhanden waren diese Gräben schon lange, soweit sie nicht schon immer die USA geprägt haben.

Am Ende seiner Sieger-Ansprache geht Trump durch die Reihen. Man spielt Musik: „You Can’t Always Get What You Want“, den Song der „Rolling Stones“. Ob das Absicht war? Die Stones haben umgehend protestiert. Clintons geben sich gefasst und verweisen auf die Bibel.

Die Menschenwelt bewegt sich weg von ihrer Globalisierung, zurück in ihre Nationen, bereit, den freien Kapitalismus zu zerschlagen, dem ein Teil dieser Menschen den Wohlstand verdankt, den jede Gruppe gleichzeitig für sich allein weiter gebrauchen zu können meint, den Kapitalismus, von dem die Zurückgelassenen endlich auch ihren Anteil zu bekommen hoffen, wenn sie den Palästen der Reichen Türen und Fenster eintreten. Es könnte widersprüchlicher nicht sein. Die Geschichte zeigt und lehrt, dass es bei zerschlagenem Glas nicht bleibt, dass Paläste in Flammen aufgehen und Schüsse fallen. Mahnungen von Alten, die so etwas überlebt haben, sind leise geworden, sehr leise. Jedoch: eigene Erfahrung und warnend erhobene Finger – das ist nun einmal zweierlei; auch das zeigt die Geschichte von uns Menschen, seit wir aufgewacht sind hinein in das Gewahrsein unserer Bewusstheit.

So rollt und ächzt und drückt und formt die Straβenwalze des Lebens weiter ihrer Geschichte entgegen: sie ist angetrieben von geheimen Kräften, den Eigenschaften der Materie, deren Herkunft wir nicht erkennen koennen. Die lebende Generation auf der Oberfläche der Walze muss immer wieder in der Überzeugung handeln, die prägende Kraft dieser Geschichte zu sein.

Vom Sprechen und Denken

Ein Kommentar zu „Sprachliche Indizien“ auf per5pektivenwechsel.wordpress.com

 

Wie immer beginnt alles mit, und hängt an, der Definition: und für kaum einen anderen Bereich ist dies bedeutsamer als für „Denken“: auch ohne die neurowissenschaftlichen Hintergründe genauer diskutieren zu müssen, stellen wir alle schon durch einfache Selbstbeobachtung fest, dass wir teilweise „verbal“ denken (manchmal sogar laut oder durch stilles Bewegen der Lippen), manchal jedoch „non-verbal“, wenn ein Ablauf derart selbstverständlich und geübt ist, dass der Gedankenlauf schneller ist als unser verbales Mitdenken dazu (im Sinne von: weiß ich schon, brauche ich nicht nochmal zur Gänze aussprechen…). Inwieweit wir das bewusst mitvollzogene, eigene, spontane gedankliche Reagieren noch als „Denken“, sozusagen als noch weiter darunter gelegenes Denken, bezeichnen wollen, ist eben Definitionssache; alle Vorgänge sind Hirnfunktionen – welche davon wir als „Denken“ benennen, rückt im Zuge der immer rascher zunehmenden neurowissenschaftlichen Erkenntnisse immer näher an babylonische Sprachverwirrung.

Zur Sprache erkenne ich eine „äußere“ Sprache, also das laute Sprechen, und eine „innere Sprache“, also jener Vorgang, der dem verbalen Denken gleichzusetzen ist. „Bewusstheit“ im Sinne von „Gewahrsein des eigenen Gewahrseins“ („only when I am aware that I am aware, am I aware“[i]) hängt wohl eng mit der sprachlichen Einordnung von Denkinhalten zusammen, aber hier kommen die Nebel des Geheimnisses über der Wahrheit auf – wir wissen nicht, was Bewusstsein ist (manche glauben nahe dran zu sein, aber dennoch), daher gibt es auch keine Ableitungen davon oder konkrete Verbindungen zu Sprache und Denken.

Mein zweiter Gedanke ist, dass „Sprache“ zunächst eine körperliche Reaktion ist (und wohl ursprünglich ausschließlich war), nämlich eine motorische: nur bewegen sich nicht mehr Beine, Arme, Hände, Finger, sondern Kehlkopf, Zunge, Gaumen und Lippen. So konnte z.B. aus brachialer eine verbale Auseinandersetzung werden.

Womit wir bei meinem dritten Gedanken wären, dort, wor sich die Spur in einem scheinbar – und wohl tatsächlich – unergründlichen Geheimnis verliert: „Sprache“ ist wohl, wie erwähnt, unzertrennlich, wenn auch auf unbekannte Weise, mit der Entwicklung von „Bewusstheit“ verbunden, demnach die Entwicklung der Bewusstheit in uns als Individuum – phylogenetisch und ontogenetisch. „Sprache“ ist aber auch, ebenso „primär“ wie für die Bewusstheit, Voraussetzung für die Kommunikation: Sprache dient der Kommunikation, „ist“ Kommunikation (auch wenn sie an einzelnen Stellen als Urlaut einfach nur Ausdruck einer Reaktion ist, wie z.B. „aauuuhh“). Kommunikation jedoch ist einem „Sozialkontrakt“ unterworfen: es kam zu einer Vereinbarung, die hieß: hiermit nennen wir diesen Gegenstand einen „Baum“. Bevor dies geschehen war, konnte ich als Individuum nicht „Baum“ sagen, und auch jenen Gegenstand damit bezeichnen, den auch die anderen darunter verstehen.

Das Geheimnis beginnt nun bei der Ortung des Primates: was war zuerst? Ich kann nicht Baum sagen und bewusst verbal „Baum“ denken, ohne dass der Sozialkontrakt über die Kommunikation mit anderen entstanden wäre. Der Sozialkontrakt jedoch kann nicht ohne bewusste Denker entstanden sein, Wesen, die in der Lage sind, etwas in sich bewusst zu denken, was erst durch die Kommunikation mit anderen entstanden sein kann … eigentlich ist uns also eine logische Erklärung der Entstehungsgeschichte nicht möglich. Wahrscheinlich handelt es sich um einen „fuzzy“ verwurschtelten millionenfach verworrenen und verwickelten phylogenetischen Prozess des Dialogs zwischen beiden Instanzen, dem Individualgehirn und der …. ja was? Der Gemeinschaft? Dem, was „geistig“ zwischen den Individuen entstand, bzw. gleichzeitig in allen Gehirnen, die an der Gemeinschaft beteiligt waren?

Eines ist zumindest sicher, so meinen wir, nämlich, dass ein Nachdenken über den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken ohne Bewusstheit unmöglich sei – jedoch nur für einen Augenblick, bis dann nämlich, wenn uns ein Gedanke zu diesem Thema „einfällt“, den wir „Einfall“ nennen, weil wir nicht wissen, woher er plötzlich gekommen ist, aus welchem Nichts …. oder doch aus den tieferen Schichten unserer Hirntätigkeit, dort, wo etwas abläuft, von dem wir nicht sicher sind, ob wir es „denken“ nennen dürfen, schon allein deshalb, weil es ohne Sprache abgelaufen ist?

Am Ende tiefer Gedanken kehren wir letztlich immer doch wieder nur zu uns selbst zurück, wie in einer Spiegelung, oder in einem Zirkelschluss, dort, wo es dann heißt: zumindest weiß ich dieses eine, nämlich, dass ich nichts weiß. Damit fängt aber – welch ein Widerspruch – das Wissen an, und schafft sich, mühsam, im Laufe der Jahrtausende, eine halbwegs sichere Plattform, wie eine Brücke mit immer größer werdenden Aufbauten, die jedoch hinten und vorne im Nichts endet, weil wir nicht wissen, woher wir kommen, und wohin wir gehen. Kein Problem, vorausgesetzt wir haben „Wissen“ definiert. Was täten wir also nur ohne die Philosophie?

[i] MR Bennett, PMS Hacker, Philosophical Foundations of Neuroscience, Blackwell 2010

Einschulung zur Rückkehr

Zur Nahostpolitik des Westens

Ein Kommentar zum Artikel von B.Ulrich (Zeit-online 25.03.2016): Vom Rassismus zum Realismus

 

Endlich eine vernünftig tieffassende Stimme (endlich auch ungeschützte Kritik in freiem Fahrwasser betreffend die Position gegenüber Saudi-Arabien; Lob, obwohl in Ihrer Kritik die deutschen Lizenzen für die Herstellung deutscher Waffen in Saudi-Arabien nicht enthalten ist).

Und selbstverständlich nicht ohne weitere Kritikpunkte meinerseits – aber anders kann es zwischen Menschen aus offenbar biologischen Gründen (Jeder von uns ist aus unterschiedlichen Erfahrungen zusammengesetzt) nicht gehen, selbst dann, wenn sie einander den Respekt gegenseitigen Zuhörens erweisen:

Übereinstimmung am entscheidenden Punkt: dort, wo Sie darauf verweisen, dass unsere derzeitige Situation eine Quittung ist. Dies trifft zu bis hinein in die Tiefenpsychologie (wo der böse Sohn der Zeit, der ungeliebte, ausgegrenzte, durch die Hintertür hereinkommt mit Mord und Brand).  Meine Kritik an dieser Stelle ist, dass der Verweis fast höflich zurückhaltend bleibt, gibt es doch fast keinen der Diktatoren im Nahen Osten seit Ende des Zweiten Weltkriegs, der nicht vom Westen inthronisiert worden wäre, nicht nur den einen konkret Benannten.

Wenn Sie darauf hinweisen, dass „sie“ ja ohnehin schon bei uns wohnen, dann geschah dies ohne Querverweis darauf, dass kein europäisches Land die Integration dieser Immigranten gewollt oder sonstwie geschafft hätte, vor allem, dass jetzt die Öffentlichkeit mit der Nachricht konfrontiert wird, nunmehr würden die Neuen, die Flüchtlinge, umgehend umfassend integriert: denn wen wundert ein AfD-Erfolg angesichts derart entmündigender Verdummungsversuche? Man könnte hier den Gedankenfaden etwas weiterspinnen mit dem Hinweis darauf, dass die Briten diese Integration ihrer früheren Kolonialvölker noch am besten geschafft hätten. Ich sage dies aber nur, um dann darauf hinweisen zu können, dass dieser Anschein fatal trügt; dafür zwei Beispiele:

  1. Es gibt Städte wie z.B. Birmingham oder Leicester, in denen gerade mal noch die Hälfte der Bevölkerung britisch ist und indisch-stämmige Einwohner als zweitgrößte Gruppe mehr als ein Drittel ausmachen, stellenweise das öffentliche Leben prägen, so sehr, dass man sich daran erinnern muss, dass man nicht in einem besseren Viertel von New Delhi ist sondern in England.
  2. England war das erste Land in Europa, wo um die Forderung nach Scharia-Law öffentlich politisch gekämpft wurde – Integration?

 

Ja, sie wohnen schon bei uns, sagen Sie richtig. Aber: was Inder in Großbritannien können, werden auch Moslems in Deutschland tun: ich habe zu viele Briten indischer Abstammung getroffen (besonders auf Reisen zwischen UK und Indien [„I am from India, but I live in the UK; ah, you mean „the Britishers, those Britischers“ …] die mir mit gelassenem Grinsen versicherten: wait another couple of generations, then we will take over that whole business of little Britain.

Die Forderungen werden lauter. Das Nachreichen von Familienmitgliedern nimmt zu.

England?

„ln Deutschland können Vorschriften der Scharia nach dem deutschen lnternationalen Privatrecht zur Anwendung kommen. Wenn ein in Deutschland lebender Ausländer vor Gericht zieht, dann bestimmt das lnternationale Privatrecht, welches Recht in seinem Fall anzuwenden ist.“  

(http://www.religionen-im-gespraech.de/thema/scharia-eine-gefahr-fuer-das-deutsche-recht/hintergrund/scharia-deutschland)

Ist das Integration?

 

Dies führt mich zum nächsten Kritikpunkt:

Freilich rufen Sie zurecht nachgerade dazu auf, dass es an uns ist, etwas zu tun, etwas zurechtzurücken in unseren Köpfen – aber was? Was genau, nicht nur bezogen auf die historische Schuld unserer Vorfahren und unser selbst, sondern für die Zukunft unserer Kinder?

Das Beste am Artikel von Precht und Welzer in der Zeit-Ausgabe vom 17.März war zu diesem Thema die Erwähnung der Neudeck-Idee betreffend die Adoption von Problemstaaten durch Länder des Westens. Denn damit wird an die Notwendigkeit erinnert, jetzt dringend nicht nur eine eigene europäische Nahost-Politik zu entwickeln, sondern konkrete Pläne zur Wiedergutmachung von Sünden der Kolonialmächte. Ich meine, dazu gehört zuallererst eine ernst gemeinte und durchgezogene Hilfe zur Selbsthilfe, endlich aufzuhören mit der Ausbeutung von Resourcen, endlich fair umzugehen mit den Menschen. Maßgeblich in diesem Zusammenhang wären markante, hörbare, sichtbare, spürbare Zeichen in den betreffenden Ländern. Dazu hat gestern der Präsident von Afghanistan mit seinem Interview für BBC einen entscheidenden Beitrag geleistet, eine Nachricht, die – so sonderbar es klingen mag – die Merkel’sche Willkommenskultur „mit Sofortintegration in die unbesetzten deutschen Arbeitsplätze“ nachgerade erneut beschämt als weiterhin kolonialistisch gedachte egozentrische Hintergedanken: Präsident Ghani sagt: was kann er der Attraktivität eines einladenden Deutschland entgegensetzen? Hunderttausende seines staatserhaltenden Mittelstandes laufen ihm davon, laufen einfach weg in dieses (mittlerweile zum Unwort unter den Rechtsgerichteten gewordenen) „better life“. Nur wirklich ernst gemeinte und dann auch wirklich ausgeführte Unterstützung von Ländern wie Afghanistan, Libyen, Algerien, etc. etc. für deren Entwicklung zu prosperierenden Staaten kann dieses Weglaufen ändern – nicht aber das Abdrainieren ihrer Eliten. Schon wieder, oder weiterhin, blüht also ein verdeckter Opportunismus unter dem Deckmantel des Samaritertums.  Auch dies müsste vordergründig kritisiert werden. Denn anders schaffen wir den Weg aus dieser Krise nicht auf friedlichem Wege. Sie schreiben ja: sie kommen ohnhin in jedem Fall. Die Frage ist: ob mit oder ohne Waffen (die dann noch dazu wie bisher jene wären, die wir ihnen verkauft haben). Dass wir mit zunehmender Prosperität in allen Entwicklungsländern eine erneut ansteigende freie Migration auslösen würden, ist klar, dann aber nicht mehr gefährlich. Bis dahin würden aber in jedem Fall noch einige Generationen über die Welt gehen.

Zum Merkel’schen Versuch einer Versöhnung mit den Muslimen – wie Sie schreiben – bleibt dennoch das von der Kanzlerin geschaffene Problem der mangelnden Aufklärung / Information ihrer mitdenkenden Bevölkerung: warum Asyl unlimitiert und samt sofortiger Integration anstatt Gastrecht (laut Asyl-Antragsformular Aufenthaltsrecht für 1-3 Jahre), warum nicht Gastrecht anstatt Integration? Warum nicht Reform des Asylrechts angesichts einer sich dramatisch ändernden Welt? Warum nicht frühere Intervention in den Camps von Jordanien und Libanon, warum nicht rechtzeitig dort direkte Unterstützung? Warum erst jetzt Milliarden für die Türkei? (siehe: „Spätnachlese zur Merkel- Doktrin: Wir schaffen was? Mit sechzehn Fragen an Frau Merkel und Anmerkungen zur Diskussion, auf wordpress).

 

Zusammenfassend sollte meiner Ansicht nach also gelten: Wenn schon Schulung von Flüchtlingen vorort, dann Einschulung zur Rückkehr für den Aufbau bzw. Umbau der eigenen Heimat (es ist auch nicht fair, wenn jetzt westliche Soldaten ihr Leben in und über Syrien riskieren sollen, während Syrer für ein besseres Leben nach Europa kommen). All unsere Vorfahren haben jene Freiheiten bitter erarbeiten und erkämpfen müssen, von denen jetzt Andere gratis profitieren wollen, bei uns. Nicht unsere Heimat müssen wir ihnen geben, sondern ihre eigene müssen sie endlich voll und ganz in Besitz nehmen dürfen, mit unserer uneigennützigen Unterstützung, die ob des erheblichen Aufwandes nicht ohne Opfer abgehen kann – doch: wenn die Zivilgesellschaft meint, wir seien ihnen Hilfe schuldig, stimmt sie nicht gleichzeitig zu, dass wir ihnen erst recht diese Hilfe zur vollen, gleichrangigen Eigenständigkeit schulden?

Jugend an die Macht? Welche?

Jugend an die Macht? Welche?

Jugend? Ja! Aber erst mal erziehen, dann erst Macht.

Kommentar zum Artikel in DIE ZEIT vom 17.03.2016 von RD Precht und H Welzer

Kann mir gut vorstellen, dass Sie dieser Tage von einer Lawine von Zuschriften aus den Reihen grantiger 68er (und +) überschüttet werden.

Aber jetzt im Ernst:

Viele „Alte“ (ich mag diese Form von Aufruf von einem 57-Jährigen) werden, entgegen dem hier projizierten Anschein, mit Ihnen übereistimmen, dass die Außen- und Entwicklungshilfepolitik Deutschlands die gegenwärtige Entwicklung mit billigend in Kauf genommen haben. Auch darin, dass es in der Geschichte „kein freiwilliges Zurück“ geben kann, werden Ihnen Viele zustimmen, auch viele Ängstliche, die trotz ihrer derzeitigen Angst solche Erkenntnisse aus ihrer Lebenserfahrung und ihrem erworbenen so genannten Wissen zu schöpfen imstande sind. Viele Alte werden Ihnen auch beipflichten, dass nach der jahrhundertelangen Ära von Kolonialismus und sonstiger Ausbeutung verschiedener Formen im Rahmen der unaufhaltsamen Globalisierung der „Wille zu teilen“ das nicht nur sichtbare sondern auch für alle Menschen spürbare Signal des Westens sein muss, soll es für unsere Nachkommen eine Zukunft im Frieden geben. Hervorragend ist in diesem Sinne die im Artikel als Neudeck’sches Konzept vorgestellte Idee der „Adoption“ von Entwicklungsländern, vorausgesetzt man schafft es, dem zu befürchtenden Drang zur Bevormundung vorzubeugen und damit dem Beigeschmack erneuten oder verdeckt fortgeführten Kolonisierungsversuches (siehe Weltbankkredite).

Sie loben die Offenheit der Jugend und strafen die ängstliche Besitzstandswahrung der Alten; gleichzeitig jedoch, wie Sie Offenheit bei der Migration verlangen, sehen Sie die Notwendigkeit der Begrenzung; sie widersprechen sich hier selbst, vetreten keine nachvollziehbare Logik: Sie kritisieren die Kritiker der Willkommenskultur, ohne deutlich einzuräumen, dass diese Kritiker das Dogma der Unbegrenztheit bzw. Unbegrenzbarkeit fürchten könnten, nicht aber jegliche Zuwanderung.

Was also soll die Macht der Jugend bewirken, die im Überschwang unbegrenzt immigrieren ließe, um sich nachher dafür kritisieren lassen zu müssen, dass sie nicht bedacht hat, was die Folgen unbegrenzter Immigration, unkontrollierter Migration insgesamt, sein müssen?

Zu Zielen und Gründen: Auch wer etwas erreichen will, braucht Gründe, um die anderen zu überzeugen, und auch die, die etwas verhindern wollen, haben Ziele, nur eben andere, aber dies nur am Rande, um zu betonen, dass Sie selbst den Weg der offenen, demokratischen Diskussion mitunter zu verlassen drohen. In diesem unmittelbaren Zusammenhang ist wichtig, auch Ihren Hinweis auf die alles übertönende Bedeutung der Erziehungspolitik zu würdigen; nur, Sie sehen selbst an Ihrer eigenen Reaktion auf vorangegangene Meinungen in der Presse, dass ein Haupterziehungsinhalt das Gewahrsein dafür werden müsste, dass wir Alle spontan zunächst Opfer unserer Überzeugtheit sind, eines Du-blinden Glaubens an diese subjektiven, aus der Überzeugung konstruierten Gebildes, das wir als unsere Wahrheiten erleben. Diese Überzeugtheit überwinden und die Anderen als tatsächlich gleichwertig und gleich wichtig anerkennen zu lernen, wäre ebenso bedeutsam wie neue Technologien zur Erlösung der Umwelt von unserer selbstzerstörerischen Ausbeuterei. Ich gestehe ein, dass diese Worte gleich wieder nach neuer Ideologie klingen. Aber was, frage ich Sie, was in dieser Menschenwelt gleitet nicht ab in den Reigen der Ideologien, um von Gegen-Ideologien bekämpft zu werden?

Ihr Artikel ist ein teilweise agressives Fanal gegen die ängstlichen Bewahrer ; was hingegen völlig fehlt, ist die Kritik, ja die Agression gegen die am schwersten wiegende Bedrohung: den ungebremsten Kapitalismus mit der Folge des beängstigend, ja bereits destabilisierend wirkenden „social divide“. Sie verwenden das Wort „idiotisch“: hierzu kann ich ergänzen: am idiotischesten ist das blinde Rennen des Westens in das eigene Verderben, dort, wo am Ende des verheißenen endlosen Wachstums den Superreichen die Käufer ausbleiben und Alle alles verlieren. Die Jungen müssten also auch lernen, dass die derzeit nachgerade dogmatisch vor Kritik geschützte liberale Demokratie aus der Sicht dieser wirtschaftlichen Irrlehre ewigen Wachstums nur „sozialer Wohlstand und Friede auf Pump“ ist, geliehen von den Banken, gestohlen von der billigen Dritten Welt, den ehemals alten Kulturen, denen, die vorübergehend Kolonien hießen und jetzt Entwicklungsländer.

Und vielleicht doch noch ein Wort der Hoffnung zum Ausbruch aus diesem Kreis der Geschichte hinaus in eine Zukunft ohne sofortige Endzeitdrohungen: Selbstverständlich sollte Nationalismus (mein Unwort in spe für das 21.Jh.) der Vergangenheit angehören, aber, bitte, zeigen Sie mir jene Jugendmassen, die für faire Globalisierung die Fahnen schwenken, denen Sie die Macht überantworten wollen – nicht einmal am Lehrstuhl für „social entrepreneurship“ an der Said Universtität in Oxford glaubt man an die eigene Fahnenaufschrift und hätte am liebsten das „social“ wieder weg. Die einzigen fahnenschwingenden Jungen, die ich aus der Gegenwart kenne, die auch Macht übernehmen wollen, sind einerseits die von Europa ausgewanderten, und neuerdings auch die wiedergekehrten [angeblich 400 von den 5000], IS-Kämpfer, andererseits die Rechtsradikalen – ich setze stillschweigend voraus, dass Sie keiner dieser beiden die Macht übergeben wollten – wem aber dann?

Wir kommen also um die Aufgabe der Erziehung als ersten Schritt nicht herum, ein Kernproblem in einer Welt, in der alle arbeiten gehen und die Kinder unterbezahlten Nannies und hilflosen Lehrern überlassen, die überarbeitet und überfordert mit einer Jugend zurechtkommen sollen, der man versichert hat, sie bräuchten vor den Alten keinen Respekt mehr zu haben (darauf sind sie auch selbst sehr schnell gekommen). Wie Sie sehen, tue ich mir richtig schwer, die Evolutionsspirale von Rupert Riedl in Gang zu bringen in der Zuversicht auf ein Ziel in der ferneren Zukunft, raus aus dem Kreis der Geschichte. Dies auf friedlichem Wege zu schaffen, ist eine fast unvorstellbar große Herausforderung. Aber die Geschichte zeigt ohnehin, dass „es“ geschieht, was auch immer die Macher zu bewirken hoffen und glauben.

Dennoch: die von Ihnen kritisierten Alten und Umkehrer in die alte Welt sind nicht nur bekämpfens- und bedauernswert, sie sind uns Warnruf, denn sie haben zumindest mit ihrer Angst recht: sie ist undefiniert, diese Angst, aber sie setzt sich zusammen aus der Sensation von gestern (Flüchtlingskrise) und der Sensation von heute (Terror in der Großstadt). Diese beiden sind einander bedrohlich nahe gerückt, denn dazwischen kommt noch eine dritte, immer weniger unsichtbare, Kraft dazu: Die Schattenwesen am Photo in Ihrem Artikel könnten ebenso von den Unruhen in England im Jahr 2011 stammen, oder denen aus den Pariser Vorstädten 2005, oder Tourcoing/ Bourgogne 2015, oder Brüssel Molenbeek. Man hat sie weggesperrt aus der Wohlstandsgesellschaft, aber sie kommen wieder, einige davon am Umweg über Irak und Syrien, als der „Böse Sohn der Zeit“ aus Freud’s Psychoanalyse ,wahrscheinlich von Schiller’s Räuber inspiriert, dem ungeliebten Sohn, der, verstoßen, durch die Hintertür zurückkommt mit zerstörerischer Energie.

Jugend? Ja! Aber erst mal erziehen, dann erst Macht.

Allerdings, hier droht sich erneut ein Kreis zu schließen, denn der Philosoph von Ihnen beiden wird uns eingestehen müssen, wie es Sokrates mit seinem Erziehungsmodell, und wie es Aristoteles mit seinem Staat unter Führung der Philosophen erging.

Letztlich werden wir also wohl doch zurückgeworfen auf die Erkenntnis von JBS Haldane:

„ … we can foretell little of the future save that the thing that has not been is the thing that shall be; that no beliefs, no values, no institutions are safe. …. The future will be no primrose path. It will have its own problems.“[i]

 

[i] JBS Haldane, Daedalus, or, Science and the Future. A Paper read to the Heretics. Vortrag in Cambridge am 04. Februar 1923. Siehe z.B.:

http://www.unife.it/letterefilosofia/lm.lingue/insegnamenti/letteratura-inglese-ii-lm-lingue/programma-desame-2011-2012/J.%20B.%20S.%20Haldane-%20Daedalus-%20or-%20Science%20and%20the%20Future-%201923.pdf/view

Spätnachlese zur Merkel- Doktrin: Wir schaffen was?

Mit sechzehn Fragen an Frau Merkel und Anmerkungen zur Diskussion

Die EU in der Flüchtlingskrise war bis kürzlich mit den Worten eines Diplomaten zum Ende des Irak Kriegs treffend charakterisiert:

‘No leadership, no strategy, no coordination, no structure and inaccessible to ordinary Iraqis’ (Owen, 2008).[i]

Angesichts des Anscheins einer schwindelerregenden Logik in der Moral hinter der Flüchtlings-Politik, der vorgegebenen und der erkennbaren, Sie verschanzt hinter einem Asylrecht, das in dieser Form der Situation in der Welt nicht mehr gerecht werden kann, wir konfrontiert mit Argumenten, die frühere Versäumnisse der Politik überdecken und politisch korrekt als nicht existent erklären sollen (Ihre beiden Maximen – die des unerschütterlichen integrativen Bemühens und die des Handelns – in Ehren):

1 – Warum sagen Sie nicht: Danke, Österreich, wenigstens leise. Warum ist Deutschland Österreich nicht dankbar? Alleingang? Wessen?  Ist Zugeständnis immer Führungsschwäche?

Deutschland hat durch seine Politik der „Willkommenskultur“ seiner „Zivilgesellschaft“ Europa ohne Rücksprachen vor vollendete Tatsachen gestellt (Deutschland ist kein Nachbarland von Syrien; übrigens auch Ungarn nicht- und irgendwie müssen die Flüchtlinge vergangenen Sommer an die ungarische und dann an die deutsche Grenze gekommen sein). Österreich hat dabei mitgemacht und mitgeholfen.

Die Antwort des übrigen Europas auf den deutschen Alleingang bleibt überwiegend Ablehnung.

Österreich, an der Grenze seiner Kapazität, zwang die EU zum Handeln, indem es Griechenland mobilisierte. Griechenland ist geübt im Krisen-Umgang mit der EU, als lange mangelhaft disziplinierter Partner, der sich verhält wie einer, der an der Wand steht und nichts zu verlieren hat. Umgehend hat sich der Erfolg eingestellt: Griechenland bekommt endlich die seit spätestens Sommer 2015 erforderliche Aufmerksamkeit, wenigsten schon mal medial. Wird dort aber auch die Pflicht zum Schutz der Außengrenze respektiert? Werden dort alle Flüchtlinge registriert? Hilft die EU Griechenland? Wo ist hier der unverrückbare Standpunkt der Menschlichkeit bei Frau Merkel, wo die nachvollziehbare Linie?

2 – Warum sagen Sie Ihren Menschen nicht, dass die Asylwerber als Gäste kommen, um nach Kriegsende wieder in ihre Heimat zurückzukehren? Täglich wieder!? Warum wird nicht betont, dass in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis für Asylanten für die Dauer von 1-3 Jahren ausgestellt wird? Warum ließen Sie nicht täglich betonen, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge ohnehin freiwillig in die Heimat zurückkehren will, sobald wieder Friede herrscht? Mehrere Millionen Deutsche würden unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlich weiterhin Flüchtlinge willkommen heißen, und, wer weiß, vielleicht sogar beherbergen.

3 – Warum mussten deutsche Bürger vergangenen Sommer und Herbst so tun, als hätte Europa kein Problem mit seinen bisherigen Migranten? Warum haben Sie Ihre politischen Entscheidungen nicht auf jene Perspektiven basiert, die man neuen Migranten aus der Erfahrung mit den bisherigen nur bieten kann – sofortige Integration?

4 – Zum Argument der dringenden Erfordernis nach Arbeitskräften: Wenn es stimmt, dass ganze 5% der arbeitswilligen Asylwerber den Anforderungen der deutschen Wirtschaft gerecht werden, um sie als dringend benötigte qualifizierte Arbeitskräfte einzusetzen, was für eine Form von logischer Pirouette hat man sich bei diesem Hintergrund-Argument für die „Willkommenskultur“ vorzustellen?

5 – Dass es menschenverachtend sei, Flüchtlinge über die Ägäis zu schicken, teile ich. Dass diese Worte Ihnen, Frau Merkel in den Mund gelegt werden, verstärkt Vertrauensverlust in Politik und Kopfschütteln angesichts des Chaos: es war die Einladung nach Deutschland, die „Willkommenskultur“, die diesen Massensturm über die Ägäis angestoßen hat! Es sind die Flüchtlinge, die den Schleppern nachlaufen und ihnen Geld anbieten, die an der Küste einen ganzen Wirtschaftszweig erstehen lassen.

6 – Worin besteht hier moralische Integrität und Linearität, wenn jetzt, ein halbes Jahr später, Flüchtlinge aus Griechenland zurückgebracht werden in die Türkei? Warum hat man das nicht schon im vergangenen Sommer gemacht, wenn es jetzt moralisch gerechtfertigt ist? Warum hat man nicht vergangenen Sommer Griechenland unterstützt und den Strom schon damals aufgehalten, auf Lesbos etc.?

7 – Warum hat Deutschland, bei dem nun demonstrierten und gelebten moralischen Sich-verpflichtet-Sehen zur Hilfeleistung nicht vorort, sondern in Deutschland, nicht vor Jahren intensive Bemühungen und Verhandlungen mit den wirklichen Nachbarländern von Syrien wie Libanon und Jordanien initiiert, und damals auch schon mit der Türkei? Warum hat Deutschland seine Führungsrolle nicht vor 2 oder 3 Jahren beansprucht und jene Gelder der UNHCR zur Verfügung gestellt, die es jetzt für die Asylanten und –bewerber im eigenen Land ausgibt (waren das nicht 10 Milliarden?) Wenn man damals die Mittel dafür nicht aufbringen konnte, warum sind diese jetzt wie selbstverständlich vorhanden, jetzt, da sie den Deutschen zwecks Integration abverlangt werden?

8 – Wenn dem Volk schon über Nacht eine derartige moralische und physische Last auferlegt wurde, wie dies mit der Einladung von über einer Million Menschen ins Land geschah, wenn Sie das Schicksal Syriens in derartigem Umfang zum eigenen Problem der eigenen Leute gemacht haben, warum informieren Sie die Menschen nicht in dieser Ausnahmesituation, lassen sie direkter teilhaben an den tatsächlichen Geschehnissen, mit direkter Information durch die Regierung, nicht nur über mediale Interpretationen und Meinungen: was machen die Türken mit den an ihrer Grenze angestauten Menschen aus Aleppo und Umgebung? Eine Woche lang waren sie Tagesgespräch, heute hat man sie vergessen. Wie verhalten sich die Türken seit der Vereinbarung mit der EU, was machen sie mit dem Geld der Europäer, wie verpflichtet man sie zur Einhaltung der Zusagen? Welche Verhandlungen führen Deutschland und EU mit den anderen arabischen Staaten? Wer, Frau Merkel, erklärt den Deutschen, dass Syrien vergangenen Sommer plötzlich zu einem Problem der Deutschen werden musste anstelle eines von der EU unterstützen Griechenland? – Sie tun es nicht!

9 – Wenn es so richtig ist, dass Flüchtlinge aus Syrien quer durch Europa ausgerechnet nach dem fernen Deutschland kommen, und wenn es deren einzige Chance ist, diese Flucht auch zu verwirklichen, indem sie Schlepper beanspruchen und bezahlen, warum werden dann die Schlepper an ihrer Tätigkeit gehindert? Die Flüchtlinge sind Opfer mit Menschenwürde; die Schlepper sind Kriminelle, denen man das Handwerk legen muss – wie sonst sollten die Flüchtlinge nach Deutschland kommen, die man dort willkommen heißen wollte? Deutschland bringt sie nicht nach Deutschland! (laut ministerieller Auskunft des BAMF für Asylbewerber: „Die Kosten für die Einreise sind selbst zu tragen.”) Warum fragt und erklärt niemand öffentlich, wo hierin noch eine nachvollziehbare Logik zu finden sein soll? Warum holte Deutschland nicht diese Menschen mit Schiffen oder Flugzeugen ab, wie dies nun Italien begonnen hat? Was ist/war an dieser Flucht, an diesem sich Andienen mit Kriminalität – oder ist Sich-Schleppen-Lassen nicht Beihilfe zum Schleppertum? – und mit einem lebensgefährlichen und leidensvollen Fluchtweg über tausende Kilometer menschenwürdig?

10 – Warum darf in Europa angesichts von über 6 Millionen Flüchtlingen aus Syrien nicht von Völkerwanderung gesprochen werden, ohne als populistisch oder rechtsradikal beschimpft zu werden?

11 – Wenn es ein unumgängliches moralisches Gebot ist, jene Flüchtlinge in Deutschland willkommen zu heißen, die es geschafft haben, mit Hilfe von Schleppern bis dahin zu kommen, welches moralische Gebot gilt dann für all jene Flüchtlinge, die sich nicht leisten können, einen Schlepper zu bezahlen? Und welches für Flüchtlinge aus Afrika und anderen Kontinenten? Welche kafkaesken Regeln sind es, die manchen Menschen unter Berufung auf Menschenwürde Rechte verleihen und sie anderen stillschweigend verwehren? Was haben all jene anderen verbrochen, dass sie diese Schmach und Benachteiligung erleiden und über ihrem Elend auch noch dabei zusehen zu müssen, wie andere Flüchtlinge mit Blumen und Geschenken im erträumten Schlaraffenland empfangen werden (das Erwachen unbenommen)? Warum müssen die in Europa angekommenen Flüchtlinge jetzt ein Recht darauf verlangen dürfen und auch bekommen, besser dran zu sein als jene, die schon vor Jahren nach Jordanien geflüchtet sind und dort ihr Leben in Lagern fristen?

12 – Wo ist – nach all den vielen Krisen seit dem 2.Weltkrieg – ein effektiver Krisenstab der G20, der einen deutschen Alleingang überflüssig macht und schneller agiert als die EU? Wo ist die diesbezüglich deutlich vernehmbare Stimme des menschlichen Deutschland?

13 – Wer glaubt der Politik ein Wort, solange die finanzstärksten Länder auch die Hauptlieferanten jener Waffen sind, mit deren Hilfe diese Katastrophe ermöglicht wurde?

14 – Wo ist die Reform der Asylgesetze angesichts einer sich drastisch verändernden Welt? Oder: Was geschieht mit den nächsten 50 oder 100 Millionen Flüchtlingen aus allen Teilen der Welt, die nun ermuntert sind, ihr Asylrecht einzufordern? Wer wird hier eine für mitdenkende Menschen nachvollziehbare politische Ordnung schaffen? Wo ist das kosmopolitische Konzept hinter dieser Einladung?

15 – Warum setzt Deutschland, setzt die EU, nicht via NATO deren Partner Türkei mehr unter Druck? Wenn NATO, dann vorort in der Türkei: warum nicht NATO-Camps gemeinsam mit UNO zur Versorgung, Registrierung und Weiterleitung von Flüchtlingen nach Maßgabe des 3-Punkteplans (siehe am Ende des Textes)? Statt 6 Milliarden bar an Türkei hätte die NATO mit diesem Geld Einsatzkräfte und Leistungen finanzieren, den Türken diese Last abnehmen und das Geld gezielt selbst einsetzen können. Dass dazu auch der Türkei finanzielle Hilfe zusteht, als bisheriger Hauptlastträger in dieser Katastrophe, steht außer Frage – aber sind 6 Milliarden der adäquate Anteil?

16- Steckt hinter dem derzeitigen Chaos ein Geheimnis von besonders weiser Politik mit Weitblick? Will man die verwöhnten Reichen des Westens dazu zu motivieren, zu teilen, indem man ihnen mit dem gegenwärtigen Geschehen als Versuchsmodell vorführt, was passiert, wenn man es nicht tut? Will man sie zahlen machen, damit die da nur dort bleiben, wo die gegenwärtige Testmasse herkommt, weil man sie hier nicht haben will? Ist es eine Induktion hautnaher Erfahrung, um nun mehr Geld aus uns holen zu können für diese so genannte Entwicklungshilfe vorort? Denn ansonsten könnte man dieses politische Geschehen nur noch nach den Worten des bulgarischen Politologen Ivan Krastev als „nobel aber naiv“ bezeichnen.

 

 

 

Nachwort zur Diskussion:

Allen derzeit streitenden Parteien Europas ist gemeinsam, dass sie bei einer Trennung und Auseinandersetzung etwas zu verlieren haben. Politische Führung muss also davon zu überzeugen vermögen, dass alle neuen nationalen und regionalen Be- und Emp-findlichkeiten darob nachrangig sind, gleich ob im Westen, in der Mitte oder im Osten Europas. Hierfür ist seit dem Zerfall der Sowietunion und der NATO-Osterweiterung bereits genug Zeit vergangen. Dazu kommt, dass diese Erkenntnisse von Vor- und Nachteilen des Für- oder Gegeneinander auch für Russland ebenso wie für die USA gelten. Das klingt nach der gebotenen Einsicht, dass das, was die Welt nun braucht, eine verstärkte Kooperation der G20 ist, im Rahmen derer im gemeinsamen Interesse das Vorgehen gegenüber dem Rest der Welt (es sind 33% der Weltbevölkerung, nach BIP nur 12%) einvernehmlich abgestimmt wird, eingedenk des Gewahrseins der Vorteile der Gemeinsamkeit. Klar ist, dass derzeit eine globalisierte Migration verhindert werden muss, weil sie das Ende unserer Kultur und Zivilisation wäre. Erst wenn in allen bewohnbaren Regionen der Welt ein vergleichbares Zivilisationsniveau verwirklicht ist, kann die freie Migration zugelassen werden. Heute Kosmopolit zu sein und freie Migration zu vertreten heißt lebensgefährlich naiv zu sein – es ist zu früh dafür!

Vieles liegt an missverstandener Solidarität bzw. Missverständnis bei der Bedeutung des Begriffs „Solidarität“.

Kontraproduktive, ja für den Weltfrieden gefährliche „neo-isolationistische Töne“ kommen nicht nur aus USA, sondern auch aus allen rechts-rückenden europäischen Populationen, nicht nur den osteuropäischen, auch den mittel- und westeuropäischen. Soweit sie Europa betreffen, sind sie teilweise auf die „Durchwinkpolitik“ zurückzuführen, die Deutschland mit dieser „Willkommenspolitik“ veranlasst hat: im Alleingang hat Deutschland damit zugelassen, dass Flüchtlinge unter Umgehung des Schengen-Abkommens quer durch Europa nach Deutschland reisen konnten – das wird jetzt neuerdings anders dargestellt, nämlich so, als wäre es eine Leistung der deutschen Politik, die Rückkehr zur Schengen-Lösung auf europäischer Ebene zu erreichen: allerdings wurden dabei die Griechen erst unterstützt, seit Österreich dazu zwang. Ähnlich ungerade erscheint auch der Weg der deutschen Politik von ursprünglich der Information an die eigene Bevölkerung, dass die Flüchtlinge teilweise in andere EU-Länder weiterreisen würden, zu nunmehr einer Integrationspolitik ohne Erwähnung der Tatsache, dass die übrigen EU-Länder zum Großteil weiterhin nicht daran denken, Deutschland Flüchtlinge abzunehmen. Dass Österreich ein Alleingang vorgeworfen wurde, ist nicht nachvollziehbar, denn Österreich war im vergangenen Sommer von Deutschland zum Mitmachen genötigt worden, ohne zu fragen, wie lange das Land diese Belastung würde durchhalten können.

Ihr Alleingang in der gegebenen Situation des vergangenen Sommers ist aus christlicher Sicht vorbildlich, macht Deutschland und alle Mithelfer vorbildlich, zeigt wahren Willen zum Weltfrieden, insbesondere angesichts der beschämenden Rolle von UN und Golfstaaten (Saudi-Arabien ist ein Nachbarland!). Nachgeben hat dem Urchristentum das Römische Reich samt vielen Nachbarn eingebracht. Die Urchristen lebten allerdings von der Vorstellung einer alsbaldigen Wiederkehr Christi. Wo aber ist Ihre Strategie zur Führung der Menschen in ihrer Zeit? Warum lassen Sie Ihre Glaubwürdigkeit dahinschwinden? Sie könnten den Menschen ihre Angst vor Überfremdung nehmen, indem Sie die Gastrolle von Asylanten in den Vordergrund stellen – nicht Integration, Herberge und Bewirtung sind das Gebot der Stunde – das zeigte Ihnen auch die „Zivilgesellschaft“! Wo ist Ihr mitvollziehbares staatsmännisches Konzept hinter Ihrer Führungsrolle allenthalben? In Ihrer jetzigen Defensivposition wirken Sie zwar weiterhin überzeugt, jedoch nicht überzeugend, nicht einmal auf Ihre „Verbündeten“ der Koalition, nicht einmal mehr glaubwürdig.

Sie nähren kommentarlos zwei Ängste der Menschen: jene biologisch fundierte vor dem Fremden an sich, und jene um die Arbeitsplätze, die ihnen nun von Immigranten streitig gemacht werden. Diesbezüglich gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen EU-Staaten: Deutschland braucht – und will daher – Arbeitskräfte, andere Länder um Gottes willen nicht (siehe UK).

Zeitlich begrenzte Gastgeber der Flüchtlinge, nicht deren vermeintliche Integratoren sollen wir sein!

Oder sind alle Integrationsprobleme und –versagen aus vergangenen Jahrzehnten in allen europäischen Einwanderungsländern plötzlich nicht mehr existent, weil das nun zur politisch-korrekten Doktrin erklärt wurde – wer nicht Folge leistet, wird zu den Rechtsradikalen in die Ecke gestellt? Integration im Schnellverfahren – erfolgreich, weil per Verordnung?

Ihre Unbedingtheit bei der Verfolgung eines einmal eingeschlagenen Weges, unabhängig von der daraus resultierenden Beliebtheit und Akzeptanz, ist deshalb erfrischend und daher begrüßenswert, weil sie für Politiker heutiger Prägung vollkommen untypisch ist; allerdings beinhaltet dieser Weg das Risiko des Verlassens demokratischer Grundsätze: ein Politiker, der nicht mehr tut, was die Mehrheit des Volkes will, ist eigentlich nicht mehr demokratisch – was immer man vom Sinn des Diktates der Mehrheit halten mag. Meiner Meinung nach spiegelt dieser Weg das Schicksal des Politikers, der es nie recht machen kann, weil immer Gerechtigkeit im Großen Ungerechtigkeit im Kleinen verursacht, auch das Schicksal dessen, der – wie ein Forscher – nie voraussagen kann, was bei dem begonnenen Experiment herauskommen wird: Überzeugung, d.h. „daran glauben“, ändert daran nichts. Überzeugtheit ist ein a priori, kein Erfolgsrezept. Der Unterschied im Ergebnis zwischen Alleingang in Überzeugtheit, und Zufallsweg als Resultat demokratischer Abstimmung, ist ebenso wenig vorhersagbar wie der Ausgang eines Experiments in wissenschaftlichem Neuland; der Unterschied liegt lediglich in der Zuweisbarkeit der Verantwortung.

Ich halte Ihnen, Frau Merkel, zugute, dass Sie sich persönlich in ihrem Verhalten zurücknehmen und zurückhalten, im Interesse Ihrer Zielsetzung; nicht Selbstherrlichkeit, sondern “Stille Überzeugtheit” halte ich Ihnen vor, eine Form von Sturheit, die auch zu keinem besseren Ergebnis führt als jegliche demokratische Abstimmung; wenn schon “überzeugt” vom eigenen Weg, dann muesste konsequent und hochfrequent direkt informiert werden, nicht einfach nur gehandelt. Das Bemühen um ein “Miteinander” kann niemals falsch sein, nicht einmal, wenn man diesen Weg allein geht, weil alle anderen egoistisch schmollen. Schlimm ist nicht der Alleingang, sondern das hässliche Gesicht Europas, das Eigensucht, Neonationalismus, fatale Kurzsichtigkeit ausdrückt, die vorgefasste Entscheidung, dass ein “Miteinander” nicht wirklich ernst gemeint ist in der EU – und dabei muss schon unterscheiden zwischen Brüssel und EU-Mitgliederstaaten. Das “Miteinander” wäre aber der Weg nach vorne. Was das “Gegeneinander” in Europa und in der Welt bringt, haben unsere Vorfahren sattsam erleiden müssen. Mangelnde Kommunikation ist es also vor allem, was ich Frau Merkel vorhalte, nicht Mangel an gutem Willen. Das bedeutet auch, Kommunikation mit den anderen EU-Staaten – vor jeglichem Handeln, auch vergangenen Sommer. Daraus hätte man schon damals eine lebbare Situation für Flüchtlinge in Griechenland bauen können, gemeinsam als EU.

Die Briten sind am unverhohlensten von allen egozentrisch, machen erklärtermaßen nur dort mit, wo sie einen eigenen Vorteil sehen. Allerdings decken sie mit ihrer Kritik an der EU pointierter als jeder Kontinentaleuropäer die Schwächen der EU-Führung auf, Schwächen der global-staatsmännischen Perspektive. Letztere würde sich auch in Vorausbauen und -denken geäußert haben, z.B. in der Syrien-Frage. Aber hier schließt sich der Kreis des gegenseitigen Taktierens und Belügens aller Länder, nicht nur der EU-Partnerstaaten, die jeweils vorwiegend ihre eigenen Interessen kleinkrämerisch verfolgen und damit den Vorteil der Gemeinsamkeit verspielen, die Welt immer wieder, eitel und kurzsichtig, ja tollwütig, an den Rand eines Krieges bringen.

 

Ganze Länder, in jedem Falle aber jegliche Individuen, die es wagten, eine andere Meinung kundzutun, wurden in den Tagen der „Willkommenskultur“ offen und nicht freundlich der Unmoral bezichtigt; wer von diesen Rechthabern aber bezichtigt die zwei anderen Instanzen, die im Zusammenhang in beliebiger Reihung von Bedeutung sind?

  • Die Moslems dieser Welt, die dabei zusehen, wie sich die Moslems dort bekriegen und gegenseitig umbringen – sie schreien, wir sollen etwas tun, aber was tun sie?
  • Die Internationale Gemeinschaft

Es ist nicht deshalb nur Euopa – und überhaupt nicht nur Europa – der Verantwortliche, weil die Flüchtlinge nach Europa wollen. Andere große Länder, die ebenfalls Teil der UNO sind, liegen näher, geographisch wie kulturell! Ist „Asylrecht“ ein freies Wahlrecht auf das Bessere?

 

Wenn man nun fragt, ob die EU ihre Werte gegenüber der Türkei verrate, werden sich viele fragen, welche Werte dies denn seien: Ich habe bisher einige davon erkannt:

  • Politischer Opportunismus (ich mache nur mit, wenn es mit nützt)
  • Politische sozialmoralische Kurzsichtigkeit (Willkommen, wer es bis Deutschland geschafft hat, wenn auch mit kriminellen Mitteln; Ignorieren der Millionen in Jordanien und Libanon)
  • Unpolitische, naive Zivilgesellschaft mit Willkommenskultur (am Ende des Sommerspektakels kommen die Folgen: Kölner Domplatz, brennende Asylheime und AfD in den Landtagen).
  • Besitzstandswahrung und kulturelle Einigelung (wir sind Christen und wollen hier keine Moslems, zumindest aber nicht noch mehr als bisher)
  • Kommentarlose Teilnahmslosigkeit (mit Ausnahme von GB: dort Kritik an der insuffizienten Politik der EU bei gleichzeitiger Ablehnung zur Teilnahme).
  • Deutschland hat jedenfalls  „Werte“ der EU damit verraten, dass es ohne Rücksprache sämtliche Regelungen ignorierte und Menschenmassen unkontrolliert immigrieren ließ.

 

Der Drei-Punkte-Vorschlag:

  1. Nicht um Obergrenzen geht es, sondern um „Gaststatus“: die Politiker machen seit Monaten den Fehler, von Migration, Verteilung, Umverteilung, Aufnahme und Integration zu sprechen. Das verschreckt die Bürger, schürt die Angst vor Überfremdung. Aufnahme als Gäste in Europa bis zum Ende des Krieges wäre das richtige Signal (gewesen), das breite Bevölkerungsschichten als nachvollziehbar und unterstützenswert empfinden würden.
  2. Gleichzeitig sollte Europa mit diesen Gästen nicht deren Integration betreiben, sondern deren Versorgung, aber auch Aktivierung zu Leistungen im Dienste ihres eigenen Landes, Vorbereitung zur Rückkehr. Es ist nicht fair, dass Europa, dass die Welt für den Scherbenhaufen zahlen soll, den der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten erzeugt, während die Flüchtlinge im Westen „a better life“ haben. Selbsthilfe der Flüchtlinge für ihre Heimat ist deren erstes Gebot, unsere Beihilfe dazu unser humanitäres Gebot.
  3. Die Weltgemeinschaft hätte gleichzeitig die Aufgabe, mit diplomatischen und militärischen Mitteln den Nahostkonflikt beenden zu helfen, damit die Flüchtlinge wieder in ihr Land zurückkehren können. Inzwischen Versorgung vorort und in den angrenzenden Ländern. Nicht nur durch die EU, sondern in gleichem Umfang von der Weltgemeinschaft.

 

[i] Hubris syndrome: An acquired personality disorder? A study of US Presidents and UK Prime Ministers over the last 100 years David Owen1 and Jonathan Davidson2, Brain 2009: 132; 1396–1406, S.1401.