Die digitale Gerüchteküche

Die digitale Gerüchteküche

 

Keine Sorge, nur noch 3 Minuten Lesezeit, dann hast du alles drin – so eilt und drängt es von vielen Websites der online- Zeitungen. Rasch eine Neuigkeit aufgeschnappt – und auch gleich weitergewhatsapped – hast Du schon gehört ….

Und schon drängt die nächste Neuigkeit nach; gierig nehmen wir sie auf, süchtig nach Abwechslung und Sensation. Keine Sorge- dauert nur einen Moment, dann haben wir dir unsere Meinung eingebrannt, irgendwo in deinem Unterbewusstsein, wo sich dann aufsammelt und festsetzt, wie wir deine Reaktion, dein Verhalten wollen und für unsere Zwecke brauchen. So wird flüchtige Information zu unreflektierter Meinung, zu angeblichem Wissen, das unkritisch geglaubt wird, von Verstandenhaben redet keiner mehr. Auch von Glaubwürdigkeit reden immer Weniger, denn man gewöhnt sich an das Gezwitscher von Trump und Co., man beeilt sich sogar zunehmend, sie zu imitieren. Glaubwürdig oder nicht, „alternative“ oder „false“ – Hauptsache sensationell, aufregend oder beruhigend, je nach momentanem Bedarf – und vor allem: kurz!

Was bewirken die sozialen Medien eigentlich wirklich? Erhöhen sie etwa die Dichte unserer Kommunikation, unser gegenseitiges Verständnis, unser Miteinander und Für-einander? Unser kritisches Denken, diese Voraussetzung für sinngebende Individualität?

Die Rolle der sozialen Medien

“Dieses Thema ist eng mit der Sozial-Epistemologie (siehe z.B. S. 48,  Anm. N228) und dem Glauben an Gerüchte (S. 65 – siehe hier nächster Abschnitt) –  verbunden, also mit der Frage nach der Relevanz von Meinungen großteils nicht speziell gebildeter Leute, deren Wissen geprägt ist von ungefilterten Informationen aus dem Netz. Diesbezügliche Ansichten und Untersuchungen erhalten derzeit große Aufmerksamkeit.[i]

Die modernen sozialen Medien sind keine Voraussetzung für das Zusammentreffen von Menschengruppen oder –massen; sicher aber wirken sie als Beschleuniger, so wie sie auf soziale Brennpunkte wie ein Vergrößerungsglas und eine Brennlinse einwirken. Solche Ansammlungen sind jedoch oft nichts als der Ausbruch eines irrationalen Massenphänomens ohne jegliche kritische Bedachtnahme auf ein tatsächliches Ereignis, berufen sich vielmehr eher auf Gerüchteküche und Flüsterpropaganda, stürzen lediglich die soziale Ordnung in ein Chaos – alles geht schneller, spiegelt aber nur die alte Irrationalität. Meuten sind rasch und leicht erregbar, das Monster ohne eigenes Gehirn gerät unbedacht in Rage; der wahre Hintergrund und Auslöser bleibt oft unbekannt oder unbeachtet. Nie zuvor war es daher leichter, Sinn auf Knopfdruck umzukehren in Wahnsinn. Darüber hinaus ergeben Analysen von “chats“ auf sozialen Medien, dass diese gegenseitige Versicherung von Überzeugungen innerhalb gleichgesinnter Gruppen “extreme politische Spaltung [hervorrufen muss]”.*58 Einer der gefährlichsten Aspekte der sozialen Medien ist, dass sie wirken wie Nektar in Blumenblüten für Bienen: die Leute genießen die Lust am scheinbar geheimen Zugang zu Themen und Optionen, von denen sie niemals zugeben würden, dass sie daran interessiert sind – teilweise werden sie dazu mit subliminalen psychologischen Tricks verführt. Auf der anderen Seite sitzt verborgen eine Armee von Spionen, die tatsächliche Motivation mit diesen neuen Diensten: wie wir alle wissen, durchsuchen sie den riesigen Datenberg, der sich bei ihnen ansammelt, werten ihn aus und verkaufen ihr Wissen an Händler, die damit wiederum unser Kaufverhalten zu steuern versuchen.58 An diesem Punkt verweist der Datenforscher Stephens-Davidowitz auf die Worte von Tristan Harris, seinerseits ein Beobachter derer, die uns beobachten: “Tausende von Leuten sitzen auf der anderen Seite des Bildschirms, deren Job es ist, deine Selbstkontrolle zu brechen “.* 58 Auf längere Sicht sogar noch gefährlicher ist die nivellierende Wirkung auf die individuelle Urteilskraft und Kommunikationsfähigkeit, wie Schischkoff schon vor mehr als 50 Jahren  besorgt feststellte:N152 siehe übernächsten Abschnitt – die zunehmende Vermüllung des Alltags mit Tele- und Pseudo-Kommunikation scheint einherzugehen mit einer Verarmung der eigentlichen, tatsächlichen, Kommunikation unter Einsatz aller Sinne.” [ii]

Der Glaube an Gerüchte

“Ist es nicht gleichermaßen faszinierend und niederschmetternd zu sehen, wie leicht sich falsche Gerüchte unter Menschen verbreiten lassen, wie man sie mit gezielter Manipulation aufhetzen und dabei zusehen kann, wie Gerüchte zu Wahrheit werden, nur weil andere es wussten und weiterflüsterten? Viele Unschuldige wurden auf diesem Wege zu Opfern gemacht: die Juden während der mittelalterlichen Pocken-Epidemien, die koreanischen Gastarbeiter im Japan des Jahres 1910 nach dem Erdbeben in Tokyo: beiden Gruppen wurde nachgesagt, sie hätten den Leuten ihre Brunnen vergiftet und müssten deshalb verfolgt und getötet werden. Auch der unauslöschliche mittelalterliche Aberglaube an die Blutschande der Juden ist ein solch evolutionäres „kulturelles Erbe“ – auch die Ereignisse 1914 um den Beginn des Ersten Weltkrieges: wegen der Ermordung des österreichischen Kronprinzen in Sarajewo wurde die Bevölkerung durch Gerüchte zum Glauben daran manipuliert, dass alle Serben verdächtig und unverlässlich seien, deshalb müsse gegen Serbien Krieg geführt werden („Serbien muss sterbien“ war der Wahlspruch jener Tage). Ähnliche Überzeugungen kamen dort erneut hoch zwischen den Parteien im früheren Jugoslawien, alte Mythen wurden wieder hervorgekramt, um die Menschen in einem Gefühl der Gemeinsamkeit auf Basis fragwürdiger historischer Fakten in einem gefälschten kulturellen Gedächtnis zu vereinen (das von den Türken geschändete serbische Reich musste gerächt werden).N100

In heutigen Demokratien werden diese tief verwurzelten spontanen Überzeugungen weiter genährt, in vorurteilsbeladenen Pressemeldungen, psychologischer Manipulation mit Hilfe verschiedener Medien, auch in Form des sogenannten „whistle-blowing“, das mitunter lediglich ungestrafte Denunziation ist. Zusammen mit weiterem instinktivem Verhalten wie Xenophobie und Territorialität erzeugen sie die Vorurteile von heute, gefährlich missbraucht von gegnerischen politischen Parteien – Populismus, den alle praktizieren, nicht nur Jene, die politisch korrekt als solche dämonisiert werden.” [iii]

 

Die Sorge um diese sozialen Medien im digitalen Zeitalter hat schon eine erheblich lange Geschichte:

„Über all den neuen Medien moderner Kommunikation laufen wir Menschen in eine fundamental wirkende Gefahr; Schischkoff schrieb dazu: „Mit der Ausbildung und Ausweitung der Massenkommunikation auf die Größenordnung der modernen Zivilisation hat die eigentliche Kommunikationsfähigkeit der Menschen ihre wichtigste Komponente verloren. Das Kommunikative im Menschen bedingt nämlich nicht nur Mitteilbarkeit und Verbindung, sondern in gleichem Maße auch die Gegenseitigkeit und reflektierendes Aufeinander-Bezogensein … deren Zerstörung gleichbedeutend ist mit dem Abbau von Individualität und schöpferischer Kraft im Einzelnen“.441

„ … staatlich garantierte Freiheiten oder Förderungsmaßnahmen zur Entfaltung des Einzelnen, bleiben nur leere Formen, solange das herausfordernde Bewußtsein von dieser Bedrohung zum Zünden der individuellen Kräfte nicht ausreicht. Der Irrtum beginnt mit dem leichtfertigen Glauben, daß die modernen Einrichtungen und Zielsetzungen für Schulung und Erziehung ausreichende Gegenmaßnahmen zum großen Zerfallsprozeß seien und daß sie persönliche Abwehrkräfte im je einzelnen Bewußtsein zu zünden oder mindestens die Bedingungen dafür zu schaffen vermögen. Gerade das Gegenteil dürfte der Fall sein“.441 [iv]

In der Tat: Was bislang erreicht wurde auf dem neuen Weg ins digitale Zeitalter mit seiner Allseits-Beschleunigung und gewollten Multilateralisierung, ist Multi-Polarisierung. Gleichschwingende Gruppen und Massen nesteln und rotten sich effizienter zusammen, sind eindeutiger gegen die Anderen als je zuvor. Demokratien erklären sich zunehmend durch ihr Recht auf Massenaufläufe, Demonstrationen, Aufstände – gegeneinander aufgeschaukelt im Dunst digitaler Kommunikation. Staaten zerfallen, Kulturkreise belügen ihre eigenen Leute und einander und behorchen sich gegenseitig, rüsten ihre Meinungen gegeneinander.

Am Dorf braucht es keine sozialen Medien – die Menschen dort haben einander schon immer von hinterm Vorhang bewacht, wurden schon immer einer Meinung gegen Einen oder eine Gruppe von Anderen. In der Großstadt gibt es mehr Singles als je zuvor, die Wissenschaft weiß nichts von dichterer Kommunikation, warnt vor Isolation mitten in der virtuellen Kommunikation. Dabei heißen diese neuen Kommunikationsmedien „sozial“, und sie bieten unendlich viele nützliche Anwendungen – wären da nicht der Missbrauch durch Jene, die uns manipulieren wollen, und die Suchtgefahr bei uns selbst.

[i] M. Leitner, edt., Digitale Bürgerbeteiligung: Forschung und Praxis – Chancen und Herausforderungen der elektronischen Partizipation, Springer Vieweg 2018

[ii] LM Auer, Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht, zweite Auflage, BoD 2019, S. 174

[iii] LM Auer, Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht, zweite Auflage, BoD 2019, S. 65

[iv] LM Auer, Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht, zweite Auflage, BoD 2019, Anmerkung N152

Titelbild: PacoZea.com

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Ossis mit und wider Wessis 2019

Ossis mit und wider Wessis 2019

 

Viele der Argumente im ZDF-Beitrag über Ossis und Wessis [i] stimmen überein mit einer Diagnose, die ich von S. Satjukow[ii] übernommen habe; sie haben die Diagnose sogar noch aktualisiert und präzisiert: denn sie weisen darauf hin, dass die Folgen des Besatzungstraumas aus der UdSSR-Zeit – die Symptome im psychiatrischen Sinne – nun übertragen werden von den Russen auf die Westdeutschen. Die Einen wie die Anderen lösen in den Ostdeutschen das Gefühl des Unterlegenseins aus, der Minderwertigkeit und des von oben herab Behandeltwerdens:

Fremdenhass hat in Europa zwei unterschiedliche Ursachen, abhängig von regional unterschiedlicher Entwicklung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs:

Im Osten, besonders im Osten Deutschlands, beeinflusste die Dauerokkupation durch das kommunistische Russland die Entwicklung xenophobischen Verhaltens: das Verhältnis begann als weithin unbeschränkter Hass russischer Soldaten gegenüber der ostdeutschen Bevölkerung;  die Deutschen hatten begründete Angst vor den Russen; massive Übergriffe hatten eine verständliche Langzeitwirkung. Annäherung versuchte man von russischer Seite das gesamte halbe Jahrhundert hindurch zu unterbinden. So entstand in der ostdeutschen Seele ein kompliziertes Gemisch von Vorurteilen gegenüber Fremden, das seitens der Besatzer durch den Widerspruch zwischen dem Bild von Bruderschaft und Freundschaft im Kommunismus einerseits, andererseits aber durch die Dauerpräsenz als überlegene Besatzungsmacht geprägt war.i In diesem Fall waren also offenbar die Ostdeutschen die Ausgegrenzten und Unterdrückten im eigenen Land, ein Zustand, der sich bei manchen Bürgern der gegenwärtigen Generation als genereller Fremdenhass ausdrückt, ein dumpfes Vorurteil, das sich nicht mehr nur als Fremdenfeindlichkeit, sondern eben als deren pathologische Variante ausdrückt: Hass. Fremdenfeindlichkeit in den anderen osteuropäischen bzw. früheren sowjetischen Satellitenstaaten scheint direkt zu korrelieren mit dem Maß, in dem sie gegen das Sowjet-Imperium eingestellt waren: Ungarn, Polen und die damalige Tschechoslowakei haben etwa in dieser Reihung am deutlichsten Widerstand gezeigt ….. “ [iii]

Darüber hinaus muss man aber auch bedenken, dass Kulturen und Nationen häufig dazu neigen, sich gegenüber fremden Gruppen überlegen zu fühlen – ggf. bis sie die Erfahrung machen, dass man am fremden System tatsächlich Vorteile erkennt, die bewirken, dass das Leben im Alltag besser wird – das Nachkriegseuropa des 20.Jh hat dies mit seiner teilweisen zivilisatorischen Amerikanisierung erlebt (Kultur erfuhr dabei eher eine Nivellierung).

Den trivialen Unterbau des Verhaltens bildet selbstverständlich die animalische Xenophobie (Fremdenscheu) und Territorialisierung, die bekanntlich in Gegenden umso stärker ausgeprägt ist, je weniger Fremde tatsächlich vorort sind – nur in Ballungs-zentren stumpft sie ab, weil sich in einem Schmelztiegel verschiedener Bevölkerungs-gruppen kaum noch eine regionale Subkultur bestehen bleiben kann:

„Diese Mechanismen sind nicht nur in archaischen menschlichen Gesellschaften als selbstverständliches evolutionäres Erbe anzunehmen; sie existieren auch heute unvermindert: Territorialität tritt in der modernen Welt in Form von Staatsgrenzen ebenso direkt zutage wie die Reviere mafiöser Verbände. Fremde Gesichter lösen eine spontane Reaktion aus so wie auch in der Kindheit; wenn auch meist verborgen hinter einer Maske der Neutralität, so verrät sie sich hin und wieder doch durch Verhalten wie Vermeiden des Blickkontakts und von größerer Distanz sowie durch Reserviertheit. Dieser spontane „unbelehrbare Lehrmeister“ ist dennoch in einer zweiten, nun bewussten, Reaktion kontrollier-bar und kann durch Übung und Gewöhnung – z.B. in Großstädten – überhaupt das ursprüngliche Spontanverhalten „im Zaum“ halten. Insgesamt bleibt jedoch ein trennender Graben, messbar in Fuß und Metern, abhängig vom Ausmaß der unterschiedlichen äußeren Erscheinung, von den kulturellen Gewohnheiten wie auch vom erkennbaren religiösen Hintergrund. 

Die tief verwurzelte Ambivalenz der Xenophobie, diese scheinbar widersprüchliche Mischung von Verhaltensmustern und Emotionen, tritt eindrucksvoll hervor, wenn man diese negativen und abstoßenden Gedanken und Meinungen über Gruppen anderer Ethnizität und Religion [iv] vergleicht mit unserer Bewunderung für ferne Kulturen und unseren Wunschträumen von Menschen in fernen Ländern, mit ihrer mysteriösen Erscheinung und ihren fremden Gebräuchen. Was zu weit entfernt ist um zu bedrohen, oder was von vornherein friedfertig wirkt, ist Gegenstand unserer Neugier und zieht uns an. Es gibt kaum Menschen in der westlichen Welt, die nicht davon träumen, auf einer Pazifik-Insel oder in einem Land des Fernen Ostens einen Urlaub zu verbringen, bei Leuten einer fremden Kultur mit ihrem überraschend fremden aber köstlichen Essen. Viele von uns können auch hin und wieder der Traumvorstellung von außerirdischen Wesen nicht widerstehen, ob es sie nicht doch irgendwo geben könnte, und wie sie wohl aussehen mögen. Niemand denkt daran, einen Abwehrwall gegen Außerirdische zu errichten (Asteroide sind hier natürlich nicht das Thema), solange sich nicht eine unmittelbare Bedrohung ankündigt.  

Das unmenschlich Menschliche

Wenn wir nun also diese Xenophobie als „unmenschlich“ bezeichnen, einmal weil dies derzeit als politisch korrekt gilt, dann aber auch grundsätzlich, weil es sich um Verhalten aus dem tierischen Erbe handelt, dann vergessen und ignorieren wir dabei unsere evolutionären Wurzeln, etwas, das Teil von uns ist wie Mund und Nase. Außerdem beseitigt eine solche Verbannung eines Teiles unserer selbst auch die positiven Anteile dieser ambivalenten Eigenschaft „Xenophobie“, unsere träumende, schnüffelnd- neugierige Sympathie mit den fremden anderen Wesen da draußen in einiger Distanz, die nur zur Gefahr werden, wenn sie eine rote Linie überschreiten und zu nahe kommen.    

Viele von uns werden sich heimlich eingestehen, dass wir hin und wieder spon-tan reserviert reagieren oder sogar innerlich zusammenzucken, wenn wir mit einem fremd erscheinenden Mitmenschen konfrontiert sind, bis wir uns zu besinnen beginnen und unser Verhalten kontrollieren. Nirgendwo in der Literatur wurde Xenophobie in charmantere und berührendere Worte gefasst wie in Schikaneder’s Libretto zu Mozart’s Oper „Die Zauberflöte“: der Vogelfänger Papageno, selbst angekleidet wie mit einem Vogelgefieder, trifft in der Dämmerung Sarastro, den Mohr; beide schrecken zurück in der Überzeugung, dem wahrhaftigen Teufel zu begegnen. Nach einer Weile aber beruhigt sich Papageno und sagt: unter den vielen Vögeln, die ich kenne, sind auch schwarze, warum also sollte es nicht auch schwarze Menschen geben? 24

Das also ist Xenophobie, die biologische Tatsache, Instinkt, entwickelt über Jahrmillionen im Laufe der Evolution, neuerdings politisch nachgerade verfolgt – die Natur antwortet, hält dagegen. Und dies ist Territorialität, sozial akzeptiert als ein Recht auf Besitz, auf Land mit Zaun drum herum, das von anderen ohne Einladung nicht betreten werden darf. Der weise legendäre König Numa aus der Monarchiezeit des frühen Alten Rom machte „private Grenzen“ sogar zu einer eigenen Gottheit.N54 Nicht primärer Hass, sondern primäre Abgrenzung des Individuums von der Umwelt, steht am Beginn.N107  –  Trotz allen Verständnisses dieser unserer eigenen spontanen Reaktionen, und unserer Bedachtnahme darauf, bleibt am Ende dennoch diese Tendenz zur Rückkehr in das eigene gewohnte Milieu, dem Verbleib darin und zu einem gewissen Abstand vom gewohnten Milieu Anderer, das uns selbst fremd ist. „Kultur“ gewinnt in diesem Zusammenhang die Bedeutung auch von „gewohntem Umfeld“ mit all seinen Komponenten. Wir vermissen es in der Fremde, leiden unter Heimweh. All dies ist ebenso Tatsache, und Teil von Xenophobie und Territorialität.

Ethnische Xenophobie 

Aus dieser biologischen, genauer ethologischen, Sicht ist das Fremdeln zwischen Menschen verschiedener Ethnien gar nichts anderes als eine der Ausdrucksformen von Xenophobie …..“.[v]

[i] J. Breyer, Am Puls Deutschlands – wasmichimostenstoert. ZDF-zoom vom 14. 08. 2019, https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-am-puls-deutschlands—wasmichimostenstoert-100.html

[ii] S. Satjukow, Besatzer. Die Russen in Deutschland, Vandenhoeck & Ruprecht 2008

[iii] Auszug aus L.M. Auer, „Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht“, zweite Auflage, BoD 2019, Kapitel „Aggression und Hass“, S.74f.

[iv] S. Stephens-Davidowitz, Everybody Lies. What the internet can tell us about who we really are. Bloomsbury 2018 (2017)

[v] L.M. Auer, „Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht“, zweite Auflage, BoD 2019, Kapitel „Xenophobie und Territorialität“, S. 68ff.

Titelbild: Weser Kurier, Zeichnungen einer Zäsur, 30.09.2015, Was vom Schrecken blieb: Barbara Henniger zeichnete die Karikatur mit dem Titel „Menschenmauer“ im Jahr 1998. ABBILDUNG: BARBARA HENNIGER (fr, KAS)

 

Mauern um Athen. Oder: wann kommt der deutsche Kurz

Oder eigentlich: wann kommt der Kurz für Europa

 

Mit dem heutigen Tag werden sich das wohl viele Bürger der Mitte fragen, das hoffe ich jedenfalls, für Deutschland, und für Europa. Denn heute hat der Ӧsterreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz den ewig aggressiv-Misstrauischen eine erste verheiβungsvolle Tat präsentiert, auch wenn nicht einmal Euronews sie zur Kenntnis nehmen will, sondern immer noch in die rechtsradikale Ecke schielt und stellt[i]:

Burschenschaft Germania: Regierung leitet Auflösungsverfahren ein[ii]

Ja, und es war in der Tat nicht nur China, und die a priori Medienschelte gegen Trump wird auch zusehends unsicher. Zweimal mussten die Athener sie errichten, ihre Mauern zwischen der Stadt und den Hafenanlagen (die Stadtmauern selbst dreimal). Das zweite Mal wurden die Stadtmauern nach der Niederlage gegen die Perser unter Xerxes ab 461 v.Chr. errichtet, gefolgt von 6 km-langen Mauern zum Piraeus. Und danach noch ein weiteres Mal nach den Peloponnesischen Kriegen ab 393 v.Chr. Die Athener Demokraten hatten sie errichtet, immer wieder, und immer wieder verraten von ihren eigenen Leuten, Oligarchen und Tyrannen; zugegeben, auch ihre Frauen, Kinder und Sklaven werden mitgeholfen haben, die damals noch nicht wählen durften – allemal eine eindrucksvolle Leistung angesichts eines Bauwerkes von über 30 km Länge, zurecht gefeiert als ein Triumph der Demokratie. Die letzte Version davon hielt bis 86 v.Chr., als Sulla mit den Römischen Legionen Griechenland endgültig dem Reich einverleibte.

Und: ja, eine Mauer, eine gewaltige Mauer zum Schutz der Demokratischen Gesellschaft des Stadtstaates Athen, unserer Wiege der Demokratie.

Man muss darüber jetzt nicht betreten schweigen. Wir sind ja alle Demokraten mit Streitkultur. Also kann man ohne weiteres zugeben, dass sich Frau Merkel damals bei Herrn Kurz nicht öffentlich bedankt hat, als er die Schlieβung der Balkanroute bewirkte und Mitteleuropa, vor allem aber auch Deutschland, vor einer weiteren Invasion bewahrte – Zivilgesellschaft hin oder her; die Leute wollten eben nicht andauernd für die Fehler ihrer Politiker geradestehen, die vergessen hatten, den Menschen in den Fluchtgebieten rechtzeitig Hilfe zukommen zu lassen und vorort Asylantragsstellen einzurichten. Sie waren Herrn Kurz letztlich allesamt sehr dankbar, die Einen laut, die Anderen insgeheim, aber doch wohl.

Uebrigens eine alte Regel der Hubschrauberrettung: das oberste Gebot ist, dass Hubschrauber und Pilot unbeschädigt bleiben; nur so können in Katastrophenfällen Viele gerettet werden. Oder mit anderen Worten: Sich um Menschen in Not kümmern kann man sich auch vorort, vor der Mauer. Auch hereinnehmen kann man Menschen, zur Ausbildung zum Beispiel, auch als Arbeitskräfte im Rotasystem, um keinen braindrain zu verschulden. Man muss nicht zwingend warten, bis sie zu Hunderttausenden ins Land drängen und die gesamte Infrastruktur krisenhaft lahmlegen.

Und heute müssen dennoch einige unbeirrte Nazi-Mahner betreten zu schweigen beginnen, unbelehrbare Anti-Nationalisten, vor allem jene, die den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus vergessen oder nie gelernt haben: Herr Kurz hat verlangt, dass man die Germania-Burschenschaft verbieten soll. Obwohl er in Koalition mit der FPӦ regiert. Hatte er nicht allen Unkern höflich geantwortet, sie mögen ihn doch bitte an den Taten seiner Regierung messen?

Sicher: unsere heutige Demokratie ist dringend reparaturbedürftig. vor allem: dass rechthaberisches Hocken in unterschiedlichen Ecken der Republik demokratische Politik sein soll, ist schwer vermittelbar. Da ist der Stil der Zusammenarbeit in der Regierung von Herrn Kurz schon überzeugender. Oder worauf wollen die Damen und Herren der bisher regierenden Parteien damit hinaus, dass sie den kalten Krieg der Parteien, der dem Volk ohnehin nicht mehr verkäuflich ist, auf die Spitze treiben bis zum Stillstand von Politik? Fronten verhärtet zwischen politischen Parteien, Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Dabei hat es sich doch schon herumzusprechen begonnen, dass dem Klassenkampf besonders in Zeiten allgemeinen relativen Wohlstandes der Treibstoff ausgeht, auch, dass zunehmende globale Migration archaische soziale Verhaltensmuster aktiviert und auch Erinnerungen an die eigene Kultur weckt – man spricht rücksichtsvoll von „Werten“, um nicht wieder in die Diskussion um Kultur und Multikulturalität verwickelt zu werden. Mit Patrioten geht man da schon weniger zimperlich um: sie werden der Einfachheit halber oft rasch und kurzerhand zu Rassisten erklärt, wenn nicht gleich zu Nazis.

Was ist demokratischer? Zehn bis fast dreiβig Prozent – in manchen Regionen sogar die Mehrheit (Sachsen) – der eigenen Bevölkerung als Radikale und Asoziale zu beschimpfen und zu dämonisieren? Ein Volk mit erlogenen Zahlen zu spalten wie die Briten, Volksgruppen gegeneinander aufzuhetzen wie die USA, einander als Undemokraten ins Gefängnis zu stecken wie die Spanier? Oder repräsentative Demokratie in wohlwollendem Gespräch miteinander zu pflegen? Oder gar, mit diesem verachteten Teil des zerstrittenen Souveräns, des Volkes, freundlich Meinungen auszutauschen und Vernunftlösungen im Interesse des Landes zu finden, sogar auch Europas, mitten in der Mitte sich treffen, still sich freuend zuzusehen, wie sie von rechts und links zurückkommen? Was ist richtiger, die gegenseitige Dämonisierung, oder das Heimholen Williger in die Mitte der Gesellschaft?

A propos Europa: Mittlerweile sind ja nun so gut wie Alle für den Schutz der Auβengrenzen, nach der einen oder anderen Wende in den Wind. Gegen illegale Migration. Ist nicht tatkräftige, beispielhafte Entwicklungshilfe ein würdiger, konkreter, verheiβungsvoller Plan für eine Europäische Union, ein gemeinsames Ziel für ein endlich doch noch Vereintes Europa? Hat nicht jener Kontinent, der 500 Jahre lang zwischen sich selbst und dem Rest der Welt als unterentwickeltem, frei ausbeutbarem Territorium unterschied, ohnehin eine moralische Verantwortung aus der Sicht der eigenen kulturellen Entwicklung, nun diesem „Rest der Welt“, jedenfalls dem hilfsbedürftigen, tatkräftig zu helfen, ehrlich, nicht nur opportunistisch, Entwicklungshilfe tatsächlich als Hilfe zur eigenen Entwicklung anzupacken, auch unter eigenen Opfern? Aufbau Süd so zu sehen wie den Aufbau Ost der Deutschen- nach Möglichkeit sogar etwas besser? Haben wir Europäer nicht reichlich gemeinsam zu tun, um vieles von dem gutzumachen, was Vorfahren im Wettstreit gegeneinander weniger gut angefangen haben?

Man stelle sich vor, ein Kurz vermochte es, alle die Europäischen Bürger der Mitte aufzusammeln, und rechts und links davon, all Jene, die schon lange nichts anderes wollten als in ihrer Heimat so gut wie möglich ungestört leben zu bleiben, die auch bereit wären, dafür Opfer zu bringen, so wie sie es als „Zivilgesellschaft“ im Jahr 2015 bereitwillig taten. Und dieser Kurz würde der globalisierten Industrie Europas klar machen können, dass auch sie Entwicklungshilfe leisten muss, in bar und in Ausbildung, damit die dortige Infrastruktur sich der unseren angleichen kann, nach deren kulturellen Vorstellungen zwar, aber immerhin – ein wenig augenzwinkernder Opportunismus muss immer noch erlaubt bleiben – aber immerhin als neuer Weltmarkt, fünfmal so groβ wie der heutige, genug Zukunftsperspektiven für Alle. Ein Kurz, der nicht Europa will, weil damit Frankreich wieder groβ wird, oder Deutschland weiter am gröβten bleibt, oder so manche Anderen davon profitieren können, nehmen ohne beizutragen (Jeder kann etwas beitragen, es geht hier um guten Willen, nicht immer nur um Rechte), nein, ein Kurz, der es vermag, Alle über ihren gemeinsamen Interessen zusammenzuführen. Es wäre hoch an der Zeit, um nicht zu sagen, eine letzte Chance.

Ein Europa, als Start in eine neue Phase des Vereinigungsprozesses in diesem Interesse vereint dank der Regierung eines praktisch, unkompliziert pragmatisch und fair handelnden, wohlwollend empfangenden und integrierenden  Kurz – wann kommt er?

[i] http://www.euronews.com/2018/01/31/austria-s-social-democrats-under-fire-over-nazi-fraternity-songbook, vom 31.01.2018.

[ii] https://www.gmx.at/magazine/politik/burschenschaft-germania-regierung-leitet-aufloesungsverfahren-32776798, vom 31.01.2018

 

Die Europäische Mitte hat ihre Mitte verloren

Das politische Patt – ein psychiatrisches Problem der Volksparteien, ein psychisches Problem der Verwalter der Macht

 

 

Dass auch Politiker Menschen sind, dass das Schicksal ganzer Völker von der Befindlichkeit einzelner Machthaber abhängt, zeigt sich am Verhalten der Bürgerparteien nach den Wahlen von 2017: weil ein Mann mit einem anderen nicht gut kann, gehen die Volksparteien die dringend gebotene Koalition nicht ein. Beide sozialistischen Parteien werden ihrem demokratischen Auftrag nicht gerecht, reagieren nicht auf ihren Auftrag, übertragen von ihren Wählern, ziehen sich narzisstisch gekränkt in die Opposition zurück. Stattdessen sollten sie die Parteiführung austauschen und ihrerseits auf die konservativen Parteien zugehen mit der drängenden Bereitschaft zu Koalitionen. Wie anders können sie glaubwürdig bleiben mit ihrer Kritik an Populisten, die sie als schädlich bezeichnen und für drohende Gefahren vorbeugend verantwortlich machen? Doch nur, indem sie nicht mehr nur auf sich selbst und ihre eigenen Argumente als Partei hören, sondern auf das, was aus dem Volk tatsächlich offenbar wird. Nicht, dass man – selbst populistisch – alle diese Töne und Befindlichkeiten hörig in Politik umsetzen müsste, nein, es geht um das Wissen darum, um das ehrliche Befassen damit im Sinne des Auftrags, der ihnen vom Volk gegeben wurde: Verantwortungsvoll für das „gemeinsame Gut“ zu handeln, nicht für eine Spaβgesellschaft und nicht für die Macht einer Partei.

Wie konnten die Konservativen nur hoffen, glaubwürdig zu bleiben, indem sie einerseits sagten, ihre Protestwähler hätten die Rechten nicht aus Überzeugung gewählt, nur um dann erst recht die Rechten regieren zu lassen, Jene, von denen sie sagen, dass ihre davongelaufenen Protestwähler sie gar nicht wirklich wollten?

Die Schuldigen an Ratlosigkeit und Verwirrung nach diesen Wahlen sind beide bürgerlichen Parteien: mit ihrem nachgerade narzisstischen Verhalten demonstrieren sie ihre wahre Motivation. Ginge es ihnen nicht nur um die eigene Macht, könnten sie ihren eigenen volkseinlullenden, selbstgerechten Populismus beenden, aufhören mit antinationalem Getöse, das alle Patrioten verschreckt, stattdessen die akzeptablen, „vernünftigen“ Argumente der abtrünnigen bürgerlichen Wähler übernehmen und gemeinsam eingedenk der bisher erfolgreichen sozialen Marktwirtschaft gemeinsam ihre Länder weiter verwalten. All die gegenseitigen Bezichtigungen sind nichts als unglaubwürdiges Gerede, das verrät, dass dahinter nur der Machtwunsch drängt. Auch die direkte Koalition mit den Vertretern nationalistischer Argumente ist ein fataler Fehler, der sich in Kürze als Fortsetzung der immer schwächer werdenden Demokratie präsentieren wird. Zu Kurz gedacht, leider. Geifernd, mit bebenden Nüstern, stehen sie jetzt in den Startlöchern, Jene, die tatsächlich Nationalisten sind, Jene die den guten Ruf des Patriotismus zu zerstören schafften, indem sie die bürgerlichen Parteien zu antinationalen Parolen provozierten. Nicht sie aber, sondern die bürgerlichen Parteien haben diesen guten Ruf des Patriotismus zerstört und damit ihre Wähler verloren. Beide Länder der Mitte haben jetzt ihre Rechtsparteien in den Parlamenten sitzen, die Einen, weil sie sich sich über den Tisch ziehen lieβen, die Anderen, weil sie schmollend abzuwarten gedenken und gnädig mit den Kleinen verhandeln, beide, weil sie nicht willens und nicht imstande waren, ihre Sozialpartner, die Sozialisten, deren Viele als Arbeiter zu wohlhabenden Bürgern geworden sind und die Arbeiterpartei zu einer bürgerlichen Partei werden lieβen, zurück an den Tisch der Sozialpartnerschaft zu bringen und beispielgebend für das Europäische Projekt und das Beispiel Europas für die Welt zu wirken: als Vertreter von Völkern, deren Bürger fair miteinander umgehen wollen, miteinander, nicht gegeneinander als soziale Feinde in einem Kalten Krieg der Parteien. Nicht der Streit ist Demokratie, sondern die Gemeinsamkeit in Fairness, eingedenk der wirklichen Menschenwürde, nicht nur der kühlen Menschenrechte eines Rechtsstaates, der befiehlt, verbietet und sich als Diktator der Mehrheit entlarvt. Wer Demokratie als nichts anderes sieht denn als Mittel fuer persoenliche Freiheit, hilft der Demokratie scheitern und untergehen, wie es die Alten prophezeihten.

Diskussionen über Demokratie in unseren Tagen gehen weitgehend am Hauptthema vorbei: es wird zwar erwähnt, dass Viele die Politik als schwach erleben und meinen, die Macht hätten die Wirtschafts-Multis; aber dass es sich tatsächlich so verhält, dass die Wirtschaft die Gesellschaft quasi still und leise, jedenfalls unterschwellig, in eine Konsumgesellschaft umfunktioniert hat, in der man mehr betreten als hilflos diskutiert über die eigenen Werte – nein, diskutieren kann man das eigentlich nicht nennen – jedenfalls eine Gesellschaft, in der alle sogenannten Werte zugunsten vorgeschobener Argumente wie der Erhaltung von Arbeitsplätzen (die dann dennoch verloren gehen) geopfert werden, wenn auch oft heimlich in Übersee, dort, wo man es nicht täglich ansehen muss, heimlich auch, wenn dann plötzlich europäische Waffen in den Händen von Parteien auftauchen, gegen die europäische Länder als Hilfestellung vorgehen. Was noch erfolgreicher in politischer Korrektheit aus der öffentlichen Debatte ferngehalten wird, ist die Tatsache, dass diese „Wirtschaft“ von Milliardären regiert wird, denen es bisher erlaubt geblieben ist, einen social divide von noch nie dagewesenem Ausmaβ zu verursachen, mitten in – oder besser gesagt zwischen – demokratischen Staaten, die damit wieder alle ihre Werte mit Füβen treten – gerade mal noch einige „linke“ Politiker wagen es zu erwähnen; die Sozialisten sind längst Bürger neben den konservativen Bürgern mit flieβendem Übergang. Alle Bürger und Parteien der Mitte tun so, als wüssten sie von dieser Schande nichts, der Schande, dass eine Demokratie, eine Regierung „durch das Volk“ es so weit kommen lassen konnte – und nun diktiert die politische Korrektheit, dass man darüber nicht spricht, weder, dass es sich um einen schändlichen Ausverkauf der Demokratie handelt, und schon gar nicht, dass es sich um eine ernste Gefahr handelt: im letzteren Fall wird dann nämlich der Kritiker umgehend zum Radikalen erklärt, dem man dann nachsagt, er versuche das herbeizuführen, was der Kritiker den Politikern als Nachlässigkeit, als Trägheit vorwirft, nämlich, dass sie zulassen, ja sogar bewirken, dass es zu einer Rechtsbewegung kommt, weil die Menschen diesen Politikern nichts mehr zutrauen.

Die deutschen Medien reden heute von Balanceakt an einem Punkt, wo sie sich weiterhin unehrlich verhalten und sich weigern einzugestehen, dass sie ueber Jahre mit der von ihnen propagierten politischen Korrektheit in ihrem Lande einfach falsch lagen: den Österreichischen Konservativen werfen sie vor, es den Rechtspopulisten nachzumachen; ihren eigenen Konservativen prognostizieren sie, dass sie einen Balanceakt vor sich hätten, neben den Rechtspopulisten in ihrem Parlament von Heimatliebe, von Patriotismus und Identität zu reden, ohne in denselben Verdacht zu geraten, obwohl sie wissen, dass ihre konservativen Bürger ihre Rechtspopulisten gewählt haben, weil sie Patrioten sein dürfen wollen, weil ihre Regierung bisher die politische Korrektheit des Anti-Nationalismus auch auf den Patriotismus ausgedehnt hat. Dies in einer Selbstgerechtigkeit, die offenbar auf dem Erfolg ihrer Wirtschaft ruht, ohne jegliches Recht darauf aus demokratischer Sicht: aus derselben Selbstgerechtigkeit heraus befragen diese Medien einen Interviewpartner, was da faul sei im Staate Malta, nur um sich sagen lassen zu müssen, dass deutsche Unternehmen die dortige Mafiastruktur für ihre Zwecke nutzen, und dass es auch in Deutschland selbst ähnliche Strukturen gäbe.

 

Demokratie, das moderne Instrument der Macht: Politiker pflegen sie darin, ihre Macht, die Reichen werden darin immer reicher, auf Kosten der anderen; die Medien kommentieren und manipulieren, statt sich auftragsgemäβ auf neutrale Berichterstattung zu beschränken.

Gewaltenteilung wird gespielt wie ein Theaterstück – die Wahrheit spielt sich hinter jenem Vorhang der politischen Korrektheit ab, der von Medien und Politik in beiderseitigem Interesse jeweils an den kritischen Stellen des Stücks herabgelassen wird. Weh‘ dem, der zu sagen wagt, er wisse, was sich dahinter verbirgt. Notfalls wird dann diese Form von Demokratie zur absolutistischen Herrschaft einer Volksmehrheit, deren angebliche Rechtsstaatlichkeit darin besteht, die Interessen der Macht zu schützen, nicht die des Volkes.

Liebe Leute, besonders ihr jungen Leute, die nach Neuem streben: auch wenn sich Geschichte niemals lückenlos wiederholen wird können, es gibt da, betreffend den Menschen an sich, seit gut 2500 Jahren nichts wesentlich Neues, jedenfalls seit es politologisches oder polit-philosophisches Schrifttum gibt. Es gibt nur: den Willen zur Fairness, oder die Ausbeutung, samt den jeweils dazugehörigen Versteckspielen. All dies beruht darauf, dass wir Menschen in unseren Genen und Kulturen vieles als Erbe mittragen müssen, das gute neunzig Prozent unseres Verhaltens bestimmt. Auch wenn wir Willen haben wollen und uns im Prinzip Imperativen beugen, es bleibt uns insgesamt doch nur der gute Wille als Wegweiser, und der erfordert Gemeinsamkeit, nicht Kalten Krieg der Parteien gegeneinander. Dabei nützt es nicht, einander als „Sozialpartner“ zu bezeichnen. Der gute Wille müsste schon wirklich und echt sein. Ich sage dies vor allem, weil ich jenen Historikern recht gebe, die meinen, ein kreisförmiges Kommen und Gehen von Kulturen und politischen Systemen[i] sei nicht zwingend[ii]. Allerdings: die Rettung vor dem drohenden anarchischen Chaos mit nachfolgender Diktatur von was auch immer, diese Rettung hängt vom guten Willen ab, dem unbedingten guten Willen zu gemeinsamen Lösungen in Fairness.

 

[i] Platon, Politeia, 8.Buch.

[ii] Z.B. Arnold Toynbee, Menschheit und Mutter Erde. Geschichte der grossen Zivilisationen.

Die Menschwerdung

Die Angst ergreift den Menschen ob dem, was er da erkennt, aber doch nicht versteht. Es ist als bestünde die Strafe der Vertreibung aus dem Paradies in der Abgabe jener Scheuklappen, deren Fehlen nun den Blick freigibt auf eine nur anschaubare, aber nicht durchschaubare Welt. Die Phantasie der Offenbarung wird ihm gnadenhalber mitgegeben; sie ist entsprechend ihrer Herkunft nach oben offen, schier grenzenlos. Die Offenbarungen haben sich verloren, die Phantasie ist geblieben. Auch das Gottvertrauen schwand, was blieb war das Glauben als zwanghafter Selbstzweck.

Die sogenannte Menschwerdung ist nicht ein Ereignis am Menschen, am Individuum, sondern das Ergebnis eines Prozesses, der mit dem Beginn des Universums und dessen Eigenschaften untrennbar verbunden ist, wegen des nur-Sein-Könnens aus Gewordenem, bis hin jenseits allen Anfangs. Sie betrifft eine grundsätzliche, in der Wirklichkeit menschlichen Denkens unergründbare Frage nach dem Ursprung. Diese Frage wurde an verschiedenen Stellen der Beobachtung dieses Prozesses, der konkreten Vorstellbarkeit wegen, immer wieder bildlich auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Henne und Ei bezogen. Es ist die Frage nach dem „a priori“[1] hinter dem Vorhang der für uns ergründbaren Welt. Aus dem religiösen Glauben resultiert „Gott“ als Antwort, aus der Quantenphysik die „Möglichkeit“, wobei letztere mitunter zur „Wahrscheinlichkeit“ umgerechnet wird. Dazwischen regieren abwechselnd Spielformen dessen, was man auch als „intellektuellen Optimismus“[2] bezeichnete, weitere Arten mehr oder weniger politisch korrekter Überzeugtheit, des Glaubens also, immer jedoch – meist im Hintergrund als das Unbewusste – die „unbelehrbaren Lehrmeister“[3], unser Spontanverhalten, dirigiert aus dem tiefen Brunnen der Evolution.

In dieser dunklen Tiefe schlummert, döst- und träumt angeblich, auch das Gemeinsame, „Kollektive“[4]. Von dort drängt einsam ans Licht das Alleinige, Unteilbare[5]; im Licht seines Gewahrseins will es nur als Geist seine Kreatur genieβen, selbstvergessen seiner Herkunft als Teil des Gesamten, Gemeinsamen. Ans Licht will dieser Geist[6] als Geist Europas, einzig und alleinig für Alle wähnt er sich[7].

Wie die Spore eines primitiven Schleimpilzes[8] ist der individuelle Mensch die einzige Verwirklichung in diesem Prozess, die ihn in Gang halten kann. Der Mensch, Objekt der Menschwerdung, wird zum Subjekt, das er gleichzeitig ist und nicht ist: denn nichts in dem für ihn erkennbaren Universum sonst kann dies denken; aber allein lernt er dieses Denken nicht, nicht ohne Sprache, nicht ohne Kommunikation mit seinesgleichen, aufgezogen in ein Denk- und Vorstellungsgebäude, seine Heimat aus Vorbildern und Vorschriften.

Subjekt der ihrer selbst bewusst gewordenen Welt. Regieren aber tut sie der Geist dazwischen, er regiert die Welt. Die Physiker nennen ihn „die Eigenschaften der Materie, der Energie“, die Katholiken erkennen in ihm den „Heiligen Geist“, reduktionistische Forscher sehen nur „Kommunikation“ und „Interaktion“.

Das Geheimnis bleibt; es spann sich nach vorne entlang der Schöpfung, der Evolution, entdeckt sich jetzt zurück auf diesem Pfad als Erkenntnis, Forschung, Wissen, und bleibt doch Geheimnis. Ohne Menschen konnte kein Mensch zum Menschen werden, ohne Andere nicht sich selbst. Ohne Menschen aber wurde der erste Mensch Mensch, ohne Tier das erste Tier Tier, ohne Leben das erste Wesen lebendig, aus dem Nichts das All. Das einzig Verbleibende am Punkt des Beginns und davor ist eine theoretische Vorstellung von jenen Eigenschaften, die all dies Werdende bedingen, Eigenschaften, die zu existieren vermögen ohne All, ohne Null, ohne Davor.

So wird der Mensch – und ist doch nicht – selbst, wird dennoch selbst im Denken an das Werden, einsam, aber nicht allein, wieder verlustig seiner selbst in der Masse, Teil eines Ganzen und doch alleiniger Repräsentant dieses Gewahrseins in der Wirklichkeit.

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[1] Immanuel Kant, Der Kategorische Imperativ, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Kritik der praktischen Vernunft.

[2] Jose Ortega y Gasset, Eine Interpretation der Weltgeschichte. Rund um Toynbee. Mueller Verlag Muenchen 1964, S.77.

[3] Konrad Lorenz, Die Rueckseite des Spiegels. DTV 1981 (Erstausgabe Piper 1973)

[4] C.G. Jung, Das Kollektive Unbewusste

[5] Das Unteilbare lat. “Individuum”

[6] Goethe, zit. nach Ortega y Gasset, Eine Interpretation der Weltgeschichte, Rund um Toynbee. Mueller Verlag Muenchen 1964, S.82.

[7] Kritik am westlichen Universalismus

[8] Dictyostelium, Myxomycet.

Geschichte: Faktencheck zur Psychoanalyse der Völker

Wenn wir von „Volksseele“ sprechen, hat das seinen guten Grund.

Freilich hinkt dieser Hinweis auf „Psychoanalyse von Völkern“ auch: denn Geschichte wird fast immer von Individuen gemacht – zumindest bewirkt. Aber das Geschehene bleibt eben auf geheimnisvolle Weise in der kollektiven Erinnerung Aller. Und: Auch Gewaltherrscher können sich den Grundkräften in ihren Völkern nicht lange widersetzen; oder sie wirken hinter deren Rücken weiter, machen die Herrscher machtlos. Diese geheimnisvollen Grundkräfte in Menschenmassen machen sich sogar ihre Herrscher zu Diensten.

Geschichte zu kennen hat demnach auβer dem üblicherweise verstandenen Zweck des „Lernens aus der Geschichte“ – missverstanden als Versuch der direkten Anwendung als  Gebrauchsanweisung – einen noch wichtigeren Sinn: es geht um das Verständnis für das Verhalten einer Nation, einer Kultur, gegenüber einer anderen, aus den Erfahrungen, die beide in der Vergangenheit miteinander gemacht haben: Vorurteile und Gefühle schwelen oft tief vergraben im „kollektiven Gedächtnis“ eines Volkes. Schmach, Erniedrigung, die eines dem anderen angetan, schon nach zwei Generationen wissen sie nur noch die Alten aus eigener Erfahrung, die Jungen kopieren nur mehr eine allgemeine Abneigung, eine lauernd geduckte Haltung, von der sie nicht wissen, woher sie kommt, die sie aber schon als Kinder gelernt haben.

Ein Volk entwickelt scheinbar plötzlich ein Verhalten, das mit den gegenwärtigen Ereignissen nichts zu tun zu haben scheint; die Medien und populistische Politiker fallen darüber her und schüren daraus neue Aggressionen: das konkrete Wissen um die Geschichte dieses Vorgangs kann verstehen machen, warum jetzt und hier. Geschichtsanalyse wirkt dann wie eine Psychoanalyse beim Einzelnen. Das letztendliche „Warum“ bleibt bei beiden ein Geheimnis, aber die Angst vor dem Gespenst ist weg. Vertrautheit mit dem, was die andere Seite fühlen muss, schafft Verständnis, Frieden. Diese Entspannung entlockt hier und da freiwillige Buβe, schafft Augenhöhe allenthalben. Aggression hingegen dreht das Rad der Geschichte zu ihrer Wiederholung.

Die Anamnese der Türkei mit NATO und EU ist ein Beispiel, ihre Migrationsgeschichte mit Deutschland. Weitere Beispiele: alle Laender der Welt. Nur: Psychoanalyse funktioniert durch Aufrichtigkeit, oder sie schlaegt fehl.

Die Huntington – Fukuyama Debatte re-revisted

Die UdSSR war zusammengebrochen – Gorbatschow hatte schon im Vorfeld gewunken: wir kommen zurueck, in das Gemeinsame Haus Europa! Aber es kam sehr bald anders:

 

Francis Fukuyama, Amerikaner japanischer Abstammung, Ausbildung an Cornell, Yale, Harvard; jetzt Professor an der Stanford University, Vorzeige-Politologe der siegreichen Vereinigten Staaten und des Westlichen Kulturkreises, vertrat seit 1992 mit seinen Publikationen „Das Ende der Geschichte“ und „Last Man“ die breite Ueberzeugung seiner neuen Heimat, dass nun eben die grauenvolle Seite der Geschichte der Menschheit zu Ende sei, nun, da der westliche Kulturkreis die Welt endgueltig befriedet und sie mit seinen erfolgreichen Werten in Frieden halten und begluecken wuerde. Er kann nicht viel von Psychologie gehalten und auch das Buch des Literatur-Nobelpreistraegers VS Naipaul, “Eine Islamische Reise“, nicht gelesen haben. Da kam denn auch 1996 ein anderer Landsmann des Weges, Samuel P. Huntington, Harvard, Chicago, Yale, dann Professor fuer Politologie an der Harvard University, Berater des Weissen Hauses als Koordinator der Strategischen Planung fuer den Nationalen Sicherheitsausschuss. Huntington warnt vor solch siegessicherer Naivitaet, weist auf grollende und aufkommende Rivalen der anderen Kulturkreise, jene, die im Begriffe sein koennten, um die Hegemonie zu kaempfen: sein Buch „Kampf der Kulturen“ wird in ueber 30 Sprachen uebersetzt, loest einen Kampf der Ueberzeugungen unter Experten aller benachbarten Fachgebiete und weit darueber hinweg aus, mit Feststellungen, auf die bis heute immer wieder verwiesen wird. Auch wenn er sich missverstanden waehnte, wird seit 9/11 bei jedem islamistischen Attentat erneut auf seine Prophezeiung verwiesen. Und mit den juengsten Raketen auf Syrien zeigt wieder einer, dass er Huntington‘s Warnung an seine Praesidenten nicht kennt oder ob seiner „greatness“ beschaemend findet.

 

Betrachtet man die heutige Welt und ihre Prognose aus der Sicht der internationalen Institutionen, der UNO und insbesondere des Internationalen Strafgerichtshofs, dann sieht man die These von Huntington fast vollstaendig untermauert, jene von Fukuyama als vorerst frommen Wunsch teils haemisch teils misstrauisch abgetan: bis Ende 2016 hat keine der Grossmaechte, USA, China, Russland, das Statut von Rom zur Schaffung des Internationalen Strafgerichtshofs ratifiziert, ebenso wie der Grossteil der islamisch dominierten Staaten [i]. Die Einen geben nicht auf zu meinen, sie wuerden der Welt beibringen, was Recht ist, die Anderen lassen mit zunehmender Entschiedenheit wissen, dass sie auf die sittlichen Belehrungen des herabgekommenen Westens aber schon ueberhaupt gar keinen Wert legen.

Trump musste unweigerlich in diese Grube trampeln und mit US-Raketen zeigen, wann Recht Recht zu werden hat, wann Amerika der Meinung wird, jetzt gegen Kriegsverbrechen einschreiten zu sollen, Internationales Strafgericht hin oder her. Aber nicht nur, denn vor allem um zu demonstrieren, wer hier noch immer das Sagen habe. China sitzt ruhig laechelnd, abgepuffert durch Pakistan, Nord Korea und seine wiedergewonnene, altehrwuerdige innere Ruhe. Russland behaelt weiter Recht mit seinem Verweis auf des Westens Doppelmoral. Die islamische Welt, innerlich zerrissen, verachtet den Westen, und doch nicht, wegen der nuetzlichen Wissenschaft und Technik, aber letztlich doch wieder, weil es der Stolz gebietet.

Es sind eben gerade Aktionen wie der eigenmaechtige Uebergriff der Amerikaner auf Syrien durch den Raketenangriff vom 09.April 2017, der ein weiteres Mal jenen Kritikern Recht gibt, die die USA als selbstgerechte und selbstherrliche selbsternannte Herren der Welt beschimpfen und sich dagegen auflehnen. Wieder war lediglich das Schachspiel der Maechtigen die treibende Kraft, nicht das Schicksal von Menschen: waeren die USA daran interessiert gewesen, haetten sie vor 6-8 Jahren in Syrien gezielt im Interesse dieser Menschen eingreifen muessen, nicht angesichts des Todes einer Gruppe von Kindern nach 6 Jahren Krieg. Vor allem machten sich die USA unglaubwuerdig mit ihrem Anspruch, Menschenrechte zu verteidigen und Kriegsverbrechen zu verfolgen: es ist eine selbstherrliche Gerichtsbarkeit eines Staates, der der Welt diktieren will, was recht ist, und vom Tisch fegt, was nicht aus seiner Feder kam, letztlich dann also seine Teilnahme am Internationalen Strafgerichtshof verweigert.

Gegen den Kommunismus selbstindoktriniert, schwelgte der Westen nach dem Zusammenbruch der UdSSR in der Fukuyama-Idylle, allerdings nicht wohlwollend, sondern in arroganter Siegerpose; damit wurde die Chance vertan, Russland als westliches Land zu gewinnen. Auch die darauffolge Warnung von Huntington, man solle sich nicht in falscher Siegessicherheit wiegen, weil die Unterdrueckten aufbegehren wuerden, war nicht freundlich gestimmt, nicht friedenstiftend, sondern auf Kampf vorausschauend, aus der selbstmisstrauischen Perspektive des welterfahrenen Mitmenschen. Diese Warnung kommt jedoch einer Kapitulation gleich, in der wir unsere Kinder nicht der Zukunft ueberlassen duerfen. Es gibt Loesungen zur Vermeidung eines grossen naechsten Konfliktes: aber nur durch tolerantes und respektvolles aufeinander Zugehen, nicht durch neues Muskelprotzen und misstrauisches Aufrechnen vergangener Greueltaten und Winkelzuege.

Hier liegt eine weitere Moeglichkeit und Herausforderung fuer Europa, eine vermittelnde – und eben nicht fuehrende – Rolle zu uebernehmen und auf eine Loesung hinzuarbeiten, die im Interesse aller Kulturkreise ist. Das Kopfnicken zur US-Attacke ist hierzu kein guter Anfang.

Wo haben sich die grossen Staatsmaenner dieser Generation versteckt?

 

[i] http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52814/internationale-gerichtsbarkeit, abgefragt am 12.04.2017.