Raum, Zeit, Ereignis, Imagination – und Macht

Ereignis schafft nicht nur Zeit sondern auch Raum

Ob es Ereignisse ohne Raum und Zeit gibt, sei vorerst dahingestellt; aber ohne Ereignis gibt es weder Raum noch Zeit; beide sind sogar eine Folge, eine Funktion von Ereignis.

Allerdings schafft auch die Betrachtung eines Bildes von einem Raum diesen Raum in der Vorstellung, imaginär. Es mag zutreffen, dass Raum – wirklicher wie imaginärer – auch das Produkt sozialer Beziehungen sein kann,[i] aber mit der Einschränkung, dass mindestens eine der in sozialer Beziehung stehenden Personen im wirklichen Leben steht, also ein Prozess stattfindet, im Sinne der These, dass Ereignis Zeit und Raum schafft.

Was meist nicht bedacht wird, ist die Vorstellung von Raum im Zusammenhang mit Macht, als Machtanspruch, Ausdruck äußerer Körperfühlsphäre von Raum, der von einem oder mehreren oder vielen Wesen beansprucht und verteidigt wird, ähnlich der Theorie von Bourdieu,[ii] [iii] Schroer [iv] u.a.

Ich weiß nicht, ob Elias Canetti sich mit dem „äußeren Raum“, der äußeren Körperfühlsphäre befasst hat, dem beanspruchten physischen Raum als Ausdruck von Macht als ein „sich aneignen“ – in der Fortsetzung  oder als Abstraktion – von Macht als Form von „sich einverleiben“.[v], [vi]

 

[i] D. Massey, For Space, Sage 2009, zit. in Fürlinger S. 471.

[ii] P. Bourdieu, Psychischer, sozialer und angeeigneter physischer Raum , in Stadt-Räume, edt. M. Wentz, Campus 1991, S. 26-34.

[iii] P. Bourdieu, Social space and symbolic power, Sociol. Theory 7, 1989, S. 14-25.

[iv] M. Schroer, Räume, Orte, Grenzen, Suhrkamp 2006.

[v] Elias Canetti, Masse und Macht, Claassen 1960

[vi] L. M. Auer, Demokratie 4.0. Evidenz statt Macht, dritte Auflage, BoD 2019, S. 403 (N108), S. 408 (N113).